Vertragliche Grundlagen neu gefasst (10. April 2011)



Bezirk, Stadt und Kultusgemeinde unterzeichnen Vereinbarung
über Johanna-Stahl-Zentrum


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Stellten das Johanna-Stahl-Zentrum auf eine neue vertragliche Grundlage: Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Dr. Josef Schuster und Oberbürgermeister Georg Rosenthal. (Foto: Mauritz)



Würzburg. (mm) Das Johanna-Stahl-Zentrum verstehe sich als ein Ort der Sammlung regionaler jüdischer Kultur, der Forschung, Beratung und Vernetzung sowie der Vermittlung in Form von Präsentationen, Führungen, Fortbildungen, Vorträgen und Publikationen. Dies erklärte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel am vergangenen Sonntag (10. April) anlässlich der Unterzeichnung der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zwischen dem Bezirk Unterfranken, der Stadt Würzburg und der Israelitischen Kultusgemeinde über das Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur. Das Zentrum besteht seit 1987 und wird vom Bezirk und der Stadt in enger Kooperation mit der Kultusgemeinde unterhalten. Seit diesem Jahr trägt die renommierte Einrichtung in der Valentin-Becker-Straße den Namen der Volkswirtin und Journalistin Johanna Stahl, die 1943 von den Nazis ermordet worden war. Mit der Namensänderung wurden auch die vertraglichen Grundlagen neu gefasst.

Zum Johanna-Stahl-Zentrum gehört eine Fachbibliothek mit grundlegender Literatur zum Judentum und zur jüdischen Geschichte mit einem Schwerpunkt auf der unterfränkischen jüdischen Geschichte. Hinzu kommen noch das Archiv, in dem Quellen und Sammlungen aus dem jüdischen Unterfranken verwahrt werden, und eine Dauerausstellung zur Geschichte der Juden in Würzburg und Unterfranken vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

Der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Josef Schuster, erinnerte an die historische Entwicklung des Zentrums, das sich im Gebäude des Jüdischen Gemeindezentrums Shalom Europa befindet – „in einem Gebäude, dessen Fundament auf den ältesten jüdischen Funden der Stadt steht“, wie Schuster formulierte. Seit weit mehr als 900 Jahren lebten Juden in Würzburg und seit mehr als 1.700 Jahren in Deutschland, sagte Schuster. Namentlich dankte er Dr. Hans-Peter Baum, der das Zentrum von dessen Gründung bis zum Jahr 2008 geleitet hatte, sowie Baums Nachfolgerin Dr. Rotraud Ries.

Oberbürgermeister Georg Rosenthal bezeichnete die Vereinbarung über das Johanna-Stahl-Zentrum als einen wichtigen Schritt und zentralen Grundstein für die künftige Entwicklung. Das Würzburger Stadtoberhaupt erinnerte an die kriminelle Politik der Nazis, deren verbrecherisches Kalkül am Ende doch nicht aufgegangen sei. Die jüdische Gemeinde sei heute wieder ein wichtiger Teil der Region und des gesellschaftlichen und politischen Lebens in Würzburg und Unterfranken. Zu den Lehren aus der Geschichte rechnete Rosenthal die ständige Warnung, wachsam zu bleiben, Verantwortung für die jüdischen Gemeinden zu tragen, die Erinnerung zu pflegen sowie das jüdische Erbe zu erhalten und zu erforschen.

Passend zum neuen Namen des Zentrums und als programmatischen Akzent ließ Dr. Rotraud Ries in einem Festvortrag die Lebensläufe einiger jüdischer Frauen zwischen dem Mittelalter und dem 20. Jahrhundert Revue passieren, weil „nicht nur die Männer Akteure der jüdischen Geschichte waren“, wie die neue Leiterin des Zentrums feststellte. „In praktischer Hinsicht waren die Spielräume jüdischer Frauen sogar größer als anderswo“, stellte Ries fest. Plastisch und mit viel Bildmaterial erzählte Rotraud Ries in ihrem Festvortrag von Ärztinnen, Unternehmerinnen und anderen gelehrten Frauen, die über die Jahrhunderte hinweg ihren Weg gingen – „zwischen Stärke und Anpassung und der neuen Rolle der Frau im 20. Jahrhundert.“ Von einer „doppelten Unsichtbarkeit“ sprach Ries mit Blick auf die schwierige Datenlage. Es wartet also viel Arbeit auf die Forschung!
 
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