Den Staub des Alltags von der Seele gewaschen (16. Mai 2012)


Ausstellung "Auge(n)-Blick": Künstler aus drei Lohrer Einrichtungen zeigen ihre Werke
 

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Ein Teil der Künstlerinnen und Künstler aus Lohr am Main zusammen mit Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer, Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel und dem Ärztlichen Direktor des Bezirkskrankenhauses Lohr, Dr. Dominikus Bönsch (hintere Reihe, von links). (Foto: Mauritz)


Würzburg. (mm) Eine ungewöhnliche Ausstellung wurde am Mittwoch (16. Mai) im Foyer der Regierung von Unterfranken eröffnet. Unter dem Motto "Auge(n)-Blick" zeigten Mitglieder der Kunstgruppe des Betreuten Wohnens am Sommerberg für psychisch kranke Menschen sowie Schülerinnen und Schüler der St. Kilian-Schule als sonderpädagogisches Förderzentrum und der St. Nikolaus-Schule als Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung (alle drei Einrichtungen befinden sich in Lohr) ihre Werke.

"Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele", zitierte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel im Rahmen der Vernissage Pablo Picasso. Der legendäre Maler habe in diesem einen Satz wunderbar auf den Punkt gebracht, warum man auf Kunst nicht verzichten könne, sagte Dotzel. Kunst habe mit der menschlichen Seele zu tun, und Kunst sei eine wunderbare Möglichkeit, den Alltag zu verzaubern. "Kunst ist ein leuchtender Farbfleck im Grau des Alltags."

Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer unterstrich, die Ausstellung wolle den "bemerkenswerten Beitrag dokumentieren, den Menschen ungeachtet ihrer Erkrankung oder Behinderung für unsere Gesellschaft auf kulturellem Gebiet leisten können". Kunst biete mit ihren Möglichkeiten ein breites Feld der Entfaltung und Selbstentdeckung. Die in der Ausstellung gezeigten Kunstwerke "sind meist spontan und direkt. Sie tragen die Spuren und Ausdrucksweisen ihrer Urheber, es sind unverwechselbare Originale, ausgeprägte Kunstwerke", sagte der Regierungspräsident.

In seinem Fachvortrag erläuterte der Ärztliche Direktor des Bezirkskrankenhauses Lohr am Main, Dr. Dominikus Bönsch, die Bedeutung der Kunst in der Therapie. Kunst sei ein natürliches Ausdrucksmittel des Menschen und verrate viel über Gedanken und Gefühle. In Anspielung an das Picasso-Zitat, wonach Kunst den Staub des Alltags von der Seele wasche, verglich er die Gedankenwelten seiner Patienten mit Regentropfen an einer Glasscheibe, die durch die künstlerische Betätigung eine besondere Ausdrucksform fänden. Der Ausblick des Künstlers werde so zum Einblick in dessen Seele.

Federführend initiiert und organisiert wurde die Ausstellung von Klaus Werthmann (Betreutes Wohnen am Sommerberg) und Claus Völker von der Regierung von Unterfranken. In der Vorbereitung der Ausstellung war 16 Schülerinnen und Schülern der St. Nikolaus- und der St. Kilian-Schule die Aufgabe zugefallen, in einem schulübergreifenden Projekt zum Teil sehr großformatige Bilder zu malen: Augenblicke der Begegnung, persönliche Momente wie Augenblicke der Freude, aber auch des Grauens. Bei der Gemeinschaftsarbeit "Augenblicke in Räumen" entwickelte sich das Thema "Zwei Wolkenkratzer" während der Gestaltung. Rund drei Monate lang hatten sich die jungen Künstler einmal pro Woche für zwei bis vier Stunden getroffen und zusammen gearbeitet. Dabei standen die Augenblicke des gemeinsamen kreativen Schaffens im Vordergrund, wie das Begleitheft zur Ausstellung erläutert. Zwölf Schülerinnen und Schüler der Ganztagsklasse 6-9 der St. Kilian-Schule widmeten sich einem Fotoprojekt mit dem Motivschwerpunkt Lohr. Die Schülerinnen und Schüler fotografierten aber nicht nur, sondern sie wandten auch digitale Bildbearbeitungsmöglichkeiten an. Vier Bewohner des Betreuten Wohnens am Sommerberg steuerten zur Ausstellung in Würzburg Plastiken, Gemälde und Fotografien von Würzburg im Winter bei, von denen einige ebenfalls am Computer bearbeitet wurden.
 

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