"Das Tor zum Himmel geöffnet!" (23. August 2012)

Bezirkstagspräsident Dotzel besucht auf Sommertour mit Bezirksheimatpflege die Synagoge Arnstein
 

SommerTourKultur2012-019

Besichtigten die Synagoge Arnstein (von links): Die weitere Stellvertreterin des Bezirkstagspräsidenten Karin Renner (Bad Kissingen), Altbürgermeister von Arnstein und Förderkreis-Vorsitzender Roland Metz (halb verdeckt), Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, Bürgermeisterin Linda Plappert-Metz (Arnstein), die Historikerin Gabi Rudolf sowie die Bezirksräte Armin Grein (Marktheidenfeld) und Johannes Sitter (Gräfendorf). (Foto: Mauritz)


Arnstein. (mm) "Oh!" Der Anblick des zehn Meter hohen und prächtig bemalten Deckengewölbes in der Synagoge Arnstein ist stets eine Überraschung. Am vergangenen Donnerstag (23. August) ließ sich Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel auf seiner Sommertour mit der Bezirksheimatpflege von dem gewaltigen Eindruck des ehemaligen Betsaals begeistern. Angesichts der in zartem Pastell gehaltenen Jugendstil-Ornamente und des gewölbten Sternenhimmels an der Decke verbunden mit einer unvergleichbaren Akustik wurde verständlich, warum die Arnsteiner Bürgermeisterin Linda Plappert-Metz die Synagogen-Tür mit den Worten aufgesperrt hatte: "Das Tor zum Himmel ist geöffnet!"

An himmlische Zustände mag man sich freilich nicht immer erinnern, wenn man an die zweihundertjährige Geschichte der Synagoge Arnstein denkt - und an das Schicksal vieler, die hier einst gebetet haben. Die freiberuflich tätige Historikerin Gabi Rudolf hat den Werdegang dieses Gebäudes, das heute als "Kultur- und Lernort" genutzt wird, auf einer großen Wandtafel in einer der beiden so genannten Frauen-Emporen dargestellt. Die Synagoge wurde demnach zwischen 1816 und 1819 im klassizistischen Stil konzipiert und in direkter Nähe des jüdischen Schulhauses errichtet.

Mehrmals ließ die jüdische Gemeinde von Arnstein ihre Synagoge renovieren und gab dem Gebäude ein dekoratives Aussehen, bis in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts das NS-Regime auch in Arnstein dem jüdischen Leben ein Ende setzte. 1939 kaufte schließlich ein Privatmann die Synagoge. "In den ersten Nachkriegsjahren diente der Innenraum als Materiallager, bevor fundamentale Umbaumaßnahmen in den 1950er Jahren dem ganzen Gebäude ein völlig neues Gesicht gaben. Neue und verkleinerte Fenster, eingezogene Zwischendecken sowie ein durchgehender Kamin ließen ein dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus entstehen." So ist der Info-Tafel zu entnehmen.

Die historische Bausubstanz sei nur in den Außenmauern erhalten geblieben, bis schließlich nach jahrzehntelangen Bemühungen die Sanierung des Gebäudes und die Entwicklung eines neuen Nutzungskonzepts verwirklicht werden konnte. "Der Ankauf des zwischenzeitlich leer stehenden Gebäudes durch die Stadt Arnstein leitete 1994 einen zeitaufwändigen Entwicklungsprozess ein, der heute die Synagoge in neuem Glanz erstrahlen lässt." Insbesondere macht die von Gabi Rudolf in den zurückliegenden zwei Jahren entwickelte ständige Ausstellung über die reichhaltige jüdische Geschichte der Stadt Arnstein den Glanz der heutigen Nutzung aus. Unter dem Titel "Sichtbares Bruchstück einer unsichtbaren Vergangenheit" lässt die Historikerin mit einem raffinierten Mix modernster Medien die jahrhundertealte jüdische Geschichte von Arnstein verständlich werden. Daneben finden unter dem Sternenhimmel des früheren Betsaals Konzerte, Ausstellungen, Vorträge und Lesungen statt.

Diese "sinnvolle Nutzung" des ehemaligen Gebetshauses ist für Arnsteins Altbürgermeister und Förderkreis-Vorsitzenden Roland Metz ein ganz entscheidender Aspekt für den Erfolg der Renovierungsmaßnahme, die vom Bezirk Unterfranken maßgeblich unterstützt wird. Und die Besucherzahlen geben ihm offensichtlich Recht. So seien allein am Tag der Offenen Tür rund 500 Gäste in die Synagoge gekommen, freut sich Metz, dem das Projekt von Anfang an eine wahre Herzensangelegenheit war. Denn "die Juden spielen eine große Rolle in der Arnsteiner Stadtgeschichte".

Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel lobte die Renovierung der Synagoge Arnstein als einen "mutigen und zielgerichteten Schritt" und erinnerte an einige andere Aktivitäten des Bezirks bei der Erforschung und Dokumentation jüdischen Lebens in Franken. Dazu zählte er insbesondere das Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken und das seit 1983 laufende Projekt der Bezirksheimatpflege, bei dem alle jüdischen Kultstätten in Unterfranken von der Bezirksheimatpflege dokumentiert und mit einer Gedenktafel versehen werden, sowie das Genisa-Projekt des Jüdischen Kulturmuseums Veitshöchheim und die Synagoge in Memmelsdorf.

Zu den vom Bezirk geförderten Forschungsmaßnahmen gehört auch das im November 2011 gestartete "Kooperationsprojekt Landjudentum in Unterfranken", das Projektmanagerin Rebekka Denz im Anschluss an die Besichtigungsrunde vorstellte. Ziel des von der EU, dem Freistaat Bayern, den unterfränkischen Landkreisen und kreisfreien Städten sowie dem Bezirk Unterfranken geförderten Projekts sei die Erhaltung und Präsentation des jüdisch-kulturellen Erbes in Unterfranken und seine Einbindung in das Denken und Handeln gegenwärtiger und zukünftiger Generationen, erklärte Denz. "Das Kooperationsprojekt macht es sich zur Aufgabe, Personen und Institutionen zu vernetzen, die mit jüdischer Geschichte und Kultur in Unterfranken befasst sind. Das Netzwerk zielt darauf ab, das Wissen um diesen Teil der unterfränkischen Geschichte in der Öffentlichkeit stärker zu verankern."

Bezirkstagspräsident Dotzel betonte, wie wichtig es sei, alle an jüdischer Geschichte und Kultur Interessierten unter einem Dach zusammenzufassen. So könne man Daten aus ganz Unterfranken miteinander vernetzen. "Ich bin wirklich stolz über das, was hier geschaffen wurde", unterstrich Dotzel.
 

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