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Ein Souvenir aus Kitzingen für das Mémorial des Civils in Falaise (29. Mai 2016)


Bezirkstag von Unterfranken erneuert Partnerschaft mit dem Departement Calvados


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Eine alte Weinflasche, die im Februar 1945 nach einem Fliegerangriff auf Kitzingen aus dem Schutt gezogen wurde, erinnert jetzt in Falaise an das Leiden der unterfränkischen Bevölkerung während des Krieges. Das Bild zeigt (von rechts): Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, den Präsidenten des Gemeindeverbandes Falaise Claude Leteutre, die Vizepräsidentin des Departementrats des Calvados und Vorsitzende des Jugendausschusses Clara Dewaële-Canouel, den Direktor des Friedensmuseum Stéphane Grimaldi und Departementrat Paul Chandelier. (Foto: Vincent Le Moine)
 

Caen/Würzburg. (mm) Eine alte Weinflasche, die im Februar 1945 nach einem Fliegerangriff auf Kitzingen aus dem Schutt gezogen wurde, gehört jetzt zu den Ausstellungsstücken im „Mémorial des Civils“ im französischen Falaise. Dieses Museum in der unterfränkischen Partnerregion Calvados ist ausschließlich den zivilen Opfern des Zweiten Weltkriegs gewidmet. Überbracht wurde das symbolträchtige Exponat von Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, der anlässlich des dreißigsten Jubiläums der unterfränkisch-normannischen Partnerschaft Ende Mai an der Spitze einer Delegation aus Unterfranken die Region besuchte.

Gerade die Kämpfe nach der Landung der Alliierten in der Normandie forderten unter der Zivilbevölkerung einen furchtbaren Blutzoll. Im so genannten Kessel von Falaise endeten im August 1944 die Kämpfe um die Normandie – Falaise wurde dabei zu achtzig Prozent zerstört. Vor diesem Hintergrund würdigte Dotzel in einer kleinen Ansprache die große historische Leistung, nach den beiden großen Kriegen des vergangenen Jahrhunderts den Weg in eine friedliche Zukunft gefunden zu haben. Als entscheidend lobte Dotzel die Bereitschaft der Franzosen, die Hand zur Versöhnung auszustrecken. „Das war die Chance für uns Deutsche, in den Kreis der zivilisierten Völker zurückzukehren – nach den Verbrechen, die im deutschen Namen geschehen waren“, sagte der Bezirkstagspräsident.

Claude Leteutre, der Präsident des Gemeindeverbandes Falaise, bedankte sich für die Leihgabe aus Kitzingen mit den Worten: „Ich habe immer gesagt, dass sich die Geschichte von Falaise und die Geschichte zahlreicher deutscher Städte oft sehr nahe sind.“ Symbolhaft soll der alte „Bocksbeutel“, von der irrsinnigen Hitze nach dem Luftangriff deformiert, das Leiden der Kitzinger Zivilbevölkerung zum Ausdruck bringen. Das Bombardement am 23. Februar 1945 zerstörte damals große Teile der Stadt und forderte zahlreiche Menschenleben.

„Diese einfache, diese gewöhnliche, diese im brennenden Kitzingen geschmolzene Weinflasche mahnt uns zum Frieden – und sie macht uns deutlich, wie kostbar unsere deutsch-französische Freundschaft ist“, betonte Dotzel in seiner Rede.

Einen besonders rührenden Beitrag für das Museum in Falaise brachten Schülerinnen des Rhön-Gymnasiums aus Bad Neustadt mit. Sie hatten Zeitzeugen aus ihrer Nachbarschaft befragt, die den Krieg als Kinder oder Jugendliche erlebt hatten. Deren Schilderungen und Kriegsbeschreibungen übersetzte die Schüler-Gruppe mit Hilfe ihrer Lehrer ins Französische. Auf große Tafeln gedruckt zeigen diese Erinnerungen nun im „Mémorial des Civils“, wie deutsche Zivilisten unter den Kriegs-Verhältnissen litten.

Den Calvados-Besuch nutzten die beiden Partner-Regionen, ihr vor dreißig Jahren unterzeichnetes Partnerschafts-Versprechen offiziell zu erneuern. Der Präsident des Departementrats des Calvados, Jean-Léonce Dupont, blickte bei der Feierstunde im vornehmen Schloss Bénouville zurück auf „die Erfolgsgeschichte dieser Partnerschaft“. Als Beispiele dafür nannte er die „zahlreichen Initiativen im schulischen oder im Bereich der Jugendarbeit“ sowie die vielen Ausstellungen, gemeinsamen Seminare oder Autorenlesungen. Zu den herausragenden Aktivitäten zählte Dupont das deutsch-französische Jugend-Video-Festival, „bei dem jedes Jahr mehrere hundert junge Leute rund siebzig Filme präsentieren“, das Praktikanten-Netz und den Austausch so genannter „Europäischer Freiwilliger“.

Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel stellte rückblickend fest: „In den vergangenen dreißig Jahren sind wir auf unserem gemeinsamen Weg weit vorangekommen.“ Vor allem habe sich in dieser Zeit aus der Partnerschaft eine tiefe Freundschaft entwickelt. „Was wir heute feiern, ist nicht mehr allein die Regionalpartnerschaft zwischen dem Calvados und Unterfranken, was wir heute hier feiern, ist längst auch die normannisch-unterfränkische Freundschaft.“

Zusätzliche Aktualität gewann diese Feierstunde nicht zuletzt dadurch, dass rund 500 Kilometer weiter östlich fast zur gleichen Zeit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Francoise Hollande über den Gräbern von Verdun dem sinnlosen Sterben in den beiden Weltkriegen gedachten. An 300 Kriegstagen waren in Verdun vor genau hundert Jahren rund 300.000 deutsche und französische Soldaten gefallen.

 

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In einer Glasvitrine ist die Leihgabe aus Kitzingen im „Mémorial des Civils“ im französischen Falaise zu sehen. (Foto: Vincent Le Moine)

 

 

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