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Frankens Antwort auf Sauvignon Blanc (9. August 2016)


Scheurebe erlebt Renaissance – Sommertour mit Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel


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Die Scheurebe stellt höchste Ansprüche an das Terroir. Dazu zählt eine optimale Feuchtigkeit. Das Bild zeigt (von links) Weinbaupräsident Artur Steinmann, Weinkönigin Christina Schneider und Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel. (Foto: Mauritz)
 

Iphofen/Hüttenheim. (mm) Woher kommt nur diese Aromatik? Das hatten sich Winzer und Sensorik-Experten bei der Scheurebe schon lange gefragt. 2012 enträtselten moderne Genanalysen das Geheimnis: nicht Riesling und Silvaner hatte Georg Julius Scheu für seine Neuzüchtung gekreuzt, sondern Riesling und Bukett-Rebe – jene Bukett-Rebe, die Sebastian Englerth in Randersacker 1864 aus Silvaner und Trollinger geschaffen hatte. Das heißt, die vor hundert Jahren im rheinhessischen Alzey gezüchtete Scheurebe hat zwar keine fränkischen Wurzeln, aber immerhin fränkisches Erbgut. Ein guter Grund für Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, seine diesjährige Sommertour mit der Weinfachberatung der Scheurebe zu widmen.

Zu besichtigen ist die Scheurebe meist auf exzellenten Standorten und in steilen Lagen, wie zum Beispiel in den südlichen Ausläufern des Steigerwalds in den Weinbergen des Weinguts Emmerich. In diesem Familienbetrieb, der bereits im 18. Jahrhundert in Iphofen Wein anbaute, startete Dotzel denn auch seine Info-Fahrt. Seniorchef Werner Emmerich erinnerte sich im Gespräch mit dem Bezirkstagspräsidenten an die frühen siebziger Jahre, als er seinem Vater in den Steillagen des Iphöfer Kronsberg beim Pflanzen der ersten Scheureben half. 1947 hatten Winzer wie Paul Schmitt aus Randersacker und Walter Leininger aus Eibelstadt die ersten Scheureben, die damals noch unter dem botanischen Begriff „Sämling 88“ firmierten, nach Unterfranken gebracht. In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg zählte die Scheurebe, süß und schwer ausgebaut, zu den Stars unter den deutschen Weinen. Der junge Emmerich begeisterte sich damals trotzdem wenig für die schweißtreibende Weinbergarbeit, aber sein Vater habe ihm vorhergesagt, von dieser Arbeit später einmal zu profitieren. „Und genau so kam es“, sagt Emmerich heute.

Auf 15 Prozent des 9,2 Hektar umfassenden Familienbetriebs stocken Scheureben. Im Vergleich dazu sind in Franken lediglich 2,4 Prozent der Weinbergflächen mit Scheurebe bepflanzt; bundesweit sind es sogar nur 1,4 Prozent. In diesen Zahlen spiegelt sich einerseits das Imageproblem der Scheurebe als „süßer Altherren-Wein“, was seit den 1980er Jahren zu einem kontinuierlichen Rückgang dieser Rebsorte führte. Zum anderen stellt die Scheurebe höchste Ansprüche an das Terroir. Gute Silvaner- oder Riesling-Lagen sind nötig, damit die Sorte ihre ganze Qualität zeigen kann. Dann aber, so Hermann Mengler, Weinfachberater des Bezirks, sei die Scheurebe „die wertvollste von Menschenhand geschaffene Weinrebe“. In Kombination mit der Eleganz und Säurestruktur, die der Riesling zur Scheurebe beisteuere, „entsteht etwas ganz Großartiges“, schwärmt Mengler. Der Gipskeuper im Steigerwald mit seinem hohen Sulfat-Anteil und der ausgeprägten Fähigkeit Wasser und Wärme zu speichern, ist einer der idealen, aber eben auch einer der raren Standorte für die Scheurebe.

Das passt zum Selbstverständnis im Weingut Emmerich. „Wir produzieren keine Massenware. Wir bieten Spezialitäten an“, betont Tochter Silvia, die vor kurzem in das Unternehmen eingestiegen ist und zusammen mit ihren Geschwistern die mittlerweile sechste Weinbau-Generation dieser Familie repräsentiert. Und natürlich ist auch sie vom Potenzial der Scheurebe überzeugt, und davon, dass die Scheurebe mit dem international so erfolgreichen, geschmacklich ähnlichen Sauvignon Blanc mithalten kann. „Ein Massenwein wie Sauvignon Blanc kommt von überall her, im Gegensatz zur Scheurebe.“ Die habe etwas Authentisches! Und überhaupt: „Warum soll man neue Reben pflanzen, wenn alte Reben vorhanden sind!“

Zu jenen, die die extreme Vielschichtigkeit der Scheurebe schon lange erkannt haben, zählt Markus Hillabrand, der den elterlichen Familienbetrieb in Hüttenheim vor zehn Jahren von Neben- auf Haupterwerb umgestellt hat. In zwei verschiedenen Lagen produziert er auf knapp 4.000 Quadratmetern Scheurebe. Ansonsten erzeugt er auf insgesamt neun Hektar Rebfläche von Bacchus über Müller bis Silvaner die für Unterfranken typischen Weine. Scheurebe sei eine „wertvolle Erweiterung und Ergänzung des Sortenportfolios“ meint denn auch Fachberater Mengler. „Dem Silvaner als klassisch-fränkischem Wein wird die Scheurebe sicher nicht den Rang ablaufen, sie kann jedoch die fränkischen Weinsorten ergänzen!“

Für Weinbaupräsident Artur Steinmann verbindet sich mit der Weinkultur aber noch ein ganz anderer, wesentlicher Aspekt. Seit Jahren sei vom Aussterben der Dörfer die Rede. Überall klage man über Leerstände in den Innenstädten. Das gelte jedoch nur für jene Orte, in denen es keine Winzerinnen oder Winzer gebe. Weinbau diene immer auch der Erhaltung der Kultur, so seine feste Überzeugung. „Gute Weine brauchen schöne Räume“, sagt Steinmann. Dies habe die Familie Emmerich in Iphofen bewiesen, die vor fünfzehn Jahren am Ortsrand einen wunderbaren Winzerhof im mediterranen Stil errichtete, und dies zeige auch Markus Hillabrand, der in Hüttenheim ein altes Fachwerkhaus renoviert habe, nachdem es zwanzig Jahre leer gestanden sei. Demnächst wolle er noch ein paar Gästezimmer eröffnen, ergänzt Hillabrand und lacht verschmitzt. Das komme an bei den Städtern, wenn sie bei ihm Wein verkosten, sagt er – und außerdem: „mit neun Hektar ist man ja nicht ausgelastet!“
 

Sommertour Weinfachberatung 2016

 

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