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Vom Öko-Image zum Spitzen-Renommee (3. August 2017)

Immer mehr fränkische Spitzen-Winzer stellen ihre Betriebe auf biologischen Weinbau um

 

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In der Schatzkammer des Weinguts am Stein (von links): Ludwig Knoll, Weinkönigin Silena Werner, Sandra Knoll und Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel. Foto: Mauritz

 

Retzstadt/Würzburg. (mm) Was vor etlichen Jahren noch belächelt wurde, hat sich innerhalb kurzer Zeit zum Zukunfts-Konzept entwickelt. Insbesondere die Top-Weingüter stellen zunehmend auf biologischen Weinbau um. Davon überzeugte sich Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel am vergangenen Donnerstag (3. August) bei der diesjährigen Sommertour mit der Weinfachberatung des Bezirk Unterfranken. Dass es dabei nicht so sehr um Öko-Mode, sondern vor allem um Wein-Qualität geht, wurde bereits im ersten Betrieb deutlich.

„Wir stellen derzeit unseren kompletten Betrieb um, weil wir noch besseren Wein erzeugen wollen“, betonte Benedikt May, Junior-Chef im Weingut Rudolf May in Retzstadt. Die Kunst bestehe darin, „die Natur für uns arbeiten zu lassen“. Ökowinzer verzichten auf chemische Pflanzenschutzmittel und Insektizide. Sie bringen keine synthetisch-mineralischen Dünger aus und wollen stattdessen durch Begrünungspflanzen das Bodenleben aktivieren. „Ohne chemische Rückstände in den Trauben können die Hefen beim Vergärungsprozess im Fass bessere Aromen entfalten“, so die Überzeugung des jungen Weinbau-Technikers. Gentechnisch veränderte Organismen sind für Öko-Winzer sowohl in den Weinbergen als auch im Keller verboten. Bio-Weine stehen für Nachhaltigkeit ebenso wie für Lebensfreude und Genuss.

Beifall erntete Benedikt May für diese Auffassung von Hermann Mengler, dem Weinfachberater des Bezirks. Die biologisch arbeitenden Betriebe, deren Zahl kontinuierlich steige, „richten heute ihren Fokus auf die Weinqualität und zudem auf die maximale Schonung der natürlichen Ressourcen“, so Mengler. Als die ersten Pioniere dieser Bewirtschaftungsform verwies Mengler auf die Augustiner-Schwestern auf der Vogelsburg, die bereits Mitte der 1950er Jahre als erste in Franken Weinberge nach ökologischen Gesichtspunkten bewirtschafteten. In den folgenden Jahrzehnten, die von ehrgeizigen Ertragszielen und dem Glauben an die grenzenlose Machbarkeit geprägt waren, wurden Öko-Winzer wie etwa Erwin Christ aus Nordheim eher belächelt. Damals hing dem Bio-Wein noch das Odium der Müsli-Esser und Grüntee-Trinker an. Heute sei biologischer Weinbau eine Zukunfts-Option.

Wie sich diese Qualität im Glas anfühlt, präsentierte anschließend die Retzstädter Weinprinzessin Lena Müller, die den Besuchern einen 2016er Silvaner als Kostprobe ins Glas schenkte. Nussig, mit dem feinen Aroma reifer Birnen und einer herben Frische handle es sich dabei um einen idealen Sommerwein, erläuterte sie. „Diesen Wein kann man einfach so trinken oder als wunderbaren Begleiter zu einem schönen Abendessen“, wusste sie.

Bereits über reichlich Erfahrung als Bio-Winzer verfügt Ludwig Knoll vom Würzburger Weingut am Stein, den zweiten Gesprächspartner des Bezirkstagspräsidenten auf seiner Weinbereisung. Auch Knoll hatte noch gut jene Zeit in Erinnerung, als er wegen seiner Auffassung als „Ökoschlappen-Träger“ belächelt wurde. Im elften Jahr als Bio-Winzer erlebe er, dass „die Weinberge strahlen“, dass die Trauben „nicht aus der Retorte kommen und aus sich heraus Widerstandskraft entwickeln“. Für Ludwig Knoll steht fest: „Im Bio-Wein liegt die Zukunft!“

Wein sei ein Naturprodukt. Daher müsse man Vertrauen in die Natur haben, aber auch den Respekt vor der Natur ernst nehmen. Aber auch für Ludwig Knoll ist es entscheidend, niemals die Qualität aus dem Auge zu verlieren. „Der Markt ist nicht nur reif für biologischen Weinbau, dieser Markt ist auch vorhanden“, so das Resümee des Spitzen-Winzers.

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