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Lyrik über die ermordete Kindheitsfreundin (29. März 2019)

Johanna-Stahl-Zentrum: Die „kleine Ruth“ in den Gedichten Jehuda Amichais

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Lesung im Johanna-Stahl-Zentrum (von links): Rotraud Ries, Amadé Esperer und Maja Andert trugen Briefe und Gedichte von und über die „Kleine Ruth“ vor (Foto: Münzel)
 

Würzburg. (Münzel) Mit einer Lesung zu Jehuda Amichais Kindheitsfreundin Ruth Hanover und der literarischen Verarbeitung ihres Schicksals eröffnete das Johanna-Stahl-Zentrum sein Jahresprogramm 2019. Amadé Esperer, Rotraud Ries und Maja Andert trugen Briefe und Gedichte von und über die „Kleine Ruth“ vor.

Während seiner Kindheit in Würzburg fand Jehuda Amichai in Ruth Hanover eine enge Freundin. Ihre Wege trennten sich, als Amichai 1936 mit seiner Familie nach Palästina auswanderte, während die „kleine Ruth“ nach ihrer Emigration 1939 alleine in Amsterdam zurückblieb. Von dort aus wurde sie im Sommer 1943 in das Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen deportiert und umgehend ermordet. Ihr Schicksal wurde für Amichai zum Sinnbild der Shoa, es ließ ihn nicht mehr los.

Auch in seinem Roman „Nicht von jetzt, nicht von hier“ stellte Jehuda Amichai seine Kindheitsfreundin in den Mittelpunkt. Der Ich-Erzähler kommt nach „Weinburg“, um ihren Tod zu rächen. Hierzu veranstaltete das Johanna-Stahl-Zentrum bereits im April vergangenen Jahres eine Lesung, in der die fiktionale Verarbeitung des Schicksals der Ruth Hanover das Thema war.

Auch in den Gedichten des wohl bedeutendsten israelischen Lyrikers taucht die „kleine Ruth“ immer wieder auf. Diese Gedichte standen im Mittelpunkt der jetzigen Lesung und waren eingebettet in den historischen Kontext und begleitet von Briefen aus dem kurzen Leben Ruth Hanovers.

Der Übersetzungsarbeit Amadé Esperers ist es zu verdanken, dass die Gedichte auf Deutsch zu hören waren. Er publizierte bereits mehrere Bände mit den übersetzten Gedichten und arbeitet gegenwärtig an einer Biographie Amichais. Rotraud Ries hat sich in Zusammenhang mit der letztjährigen Lesung intensiv mit der Biographie Ruth Hanovers auseinandergesetzt und die Briefe neu ediert. Musikalisch begleitet wurde die Lesung von dem Duo Rainer Schwander und Bernhard von der Goltz.

Das Johanna-Stahl-Zentrum besteht seit 1987 als “Dokumentationszentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken“ und wird zu gleichen Teilen von der Stadt Würzburg und dem Bezirk Unterfranken getragen. Die Israelitische Gemeinde Würzburg ist in die Kooperation einbezogen. Die Räume des Zentrums befinden sich im dritten Stockwerk des jüdischen Gemeindezentrums Shalom Europa. Im Jahr 2011 haben der Bezirk Unterfranken, die Stadt Würzburg und die Israelitische Kultusgemeinde einen neuen Kooperationsvertrag geschlossen und dem Zentrum seinen neuen Namen gegeben: Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken.

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