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„Die Völker waren immer unterwegs“ (4. Dezember 2019)

Neue Wanderausstellung „Woher Wohin“ im Museum für Franken eröffnet

WoherWohin2019

Großformatige Texttafeln erläutern die Migrationsbewegungen bis in unsere Gegenwart. Das Foto zeigt (von links): Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, Anne Kraft vom Bezirk Unterfranken und Museums-Direktor Prof. Erich Schneider. (Foto: Mauritz)

Würzburg. (mm) Migration sei ein uraltes Phänomen, „so alt wie die Menschheit“, betonte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel bei der Eröffnung der neuen Wanderausstellung „Woher Wohin“ am Mittwoch (4. Dezember) in der Schönbornhalle des Museums für Franken in Würzburg. Die „Ausstellung vom Ankommen und Weggehen“ – so der Untertitel – beleuchtet unter kultur-, kunst- und baugeschichtlichen Aspekten die Bedeutung und die Auswirkungen menschlicher Wanderungsbewegungen.

„Die Völker waren immer schon unterwegs“, so Dotzel weiter, „die einen gezwungener Maßen, die anderen freiwillig, manche aus Abenteuerlust, andere aus Neugierde.“ Dennoch könnte die Ausstellung aktueller nicht sein, sagte der Bezirkstagspräsident mit Blick auf die kontroversen Debatten um die Zuwanderung aus Kriegs- und Krisengebieten. Er sehe daher in der neuen Sonderausstellung der Unterfränkischen Kulturstiftung in Zusammenarbeit mit dem Museum für Franken einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung einer angespannten Stimmungslage: „Unsere Schau zeigt, dass Migration nichts ist, was Angst machen müsste!“

Daniela Kühnel, die Kuratorin der Ausstellung, blickte in ihrer Erläuterung weit zurück in die Geschichte und erinnerte an die irischen Wandermönche, die sich im 7. Jahrhundert in Unterfranken niederließen, und an die protestantischen Glaubensflüchtlinge nach der Reformationszeit, „die das Schicksal und die Entwicklung zahlreicher unterfränkischer Gemeinden prägten“. Umgekehrt seien im 18. und 19. Jahrhundert immer wieder Menschen aus Unterfranken aufgebrochen, um ihr Glück in fremden Ländern zu suchen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs seien rund 200.000 Heimatvertriebe zugezogen, später seien viele Bürger aus der damaligen DDR nach Unterfranken geflohen, in den Jahren des so genannten Wirtschaftswunders hätten „Gastarbeiter“ zum Wachstum unterfränkischer Unternehmen beigetragen, und insbesondere Ende 2015 hätten viele Kriegsflüchtlinge hier Zuflucht gesucht.

Anne Kraft, die Sachgebietsleiterin Museum beim Bezirk Unterfranken, wies auf die große Resonanz hin, die die Ausstellung bereits in der Vorbereitungsphase erzeugt habe. Wichtig sei insbesondere der regionale Bezug gewesen. Kleine Episoden und persönliche Schicksale beschrieben quasi „die kleinen Geschichten hinter der großen Geschichte“ – etwa das Leben von Hella Strauß, der 1941 die Flucht aus Nazi-Deutschland glückte, oder der Bankier Marcus Goldman aus Trappstadt, der im 19. Jahrhundert in die USA auswanderte und dort den Grundstein für die heute weltweit tätige Goldman Sachs Group legte, oder Semet Budak aus dem ostanatolischen Dorf Karakoyunlu, der in den 1960er Jahren als Gastarbeiter nach Karlstadt kam, um bei den Eisenwerken Düker zu arbeiten. Stellvertretend für die Kriegsflüchtlinge der vergangenen Jahre stand das Musiker-Duo Hadi und Dante, zwei junge Syrer, die in Unterfranken eine neue Heimat gefunden haben, und die während der Eröffnungsveranstaltung für einen „rockigen“, musikalischen Rahmen sorgten.

Eröffnet hatte die Feierstunde Prof. Dr. Erich Schneider, der Direktor des Museums für Franken. Er erinnerte an die zahlreichen Künstler und Baumeister, die die Architektur und die Kultur Unterfrankens geprägt haben – unter ihnen so prominente Namen wie der um 1460 im thüringischen Heiligenstadt geborene Tilman Riemenschneider oder der ursprünglich auch dem böhmischen Eger stammende Johann Balthasar Neumann. Damit sei auch die Frage geklärt, was eine Ausstellung vom Ankommen und Weggehen mit dem Museum von Franken zu tun habe, erklärte Schneider.

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„Woher Wohin. Eine Ausstellung vom Ankommen und Weggehen“ stellt auf 24 großformatigen Bild- und Texttafeln einerseits die großen Linien, andererseits anhand individueller Lebens- und Familienbeschreibungen die Hintergründe der Aus- und Einwanderungsbewegungen bis in unsere Gegenwart dar.

Die Ausstellung ist bis zum 22. März 2020 in der Schönbornhalle des Museums für Franken auf der Festung Marienberg, Würzburg, zu sehen.

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