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Zusammenhalten und gemeinsam anpacken (6. April 2020)

Drei Studierende der Medizin entlasten derzeit die Pfleger im Thorax-Zentrum

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Wollen in Zeiten der Corona-Pandemie entschlossen anpacken (von links): die drei Medizin-Studenten Felix Seese, Josephine Schwarzkopf und Mark Klingert. (Foto: Seese)

Münnerstadt. (mm) Dass es so schnell ernst werden könnte mit der Arbeit in einem Krankenhaus, hatte Felix Seese nicht gedacht. Seit dem vergangenen Wochenende arbeitet der 24-jährige Medizinstudent ebenso wie seine Kommilitonen Josephine Schwarzkopf und Mark Klingert als studentische Unterstützer im Thorax-Zentrum Bezirk Unterfranken in Münnerstadt.

Weil das neuartige Corona-Virus ohnehin alle Unis fest im Griff hat und der Vorlesungsbetrieb derzeit in Form von Online-Seminaren stattfindet, suchten die drei angehenden Ärzte nach einer adäquaten Beschäftigung. Für Seese wären auch andere Jobs in Frage gekommen, denn er hatte nach seinem Abitur in Veitshöchheim (Landkreis Würzburg) als so genannter „Bufdi“ (Bundesfreiwilligendienst) eine Ausbildung zum Rettungssanitäter und anschließend zum Physiotherapeuten absolviert. Aber dann überzeugte ihn Ministerpräsident Markus Söder, der Studierende der Medizin, der Pflegewissenschaften oder verwandter Fachbereiche dazu aufgerufen hatte, in der Corona-Krise zu helfen. „Denn wir müssen damit rechnen, dass in den kommenden Wochen noch deutlich mehr Patienten in unseren Kliniken behandelt werden müssen“, ist Seese überzeugt. „Zum Glück zählen wir Studenten aufgrund unseres Alters nicht zu den Corona-Risikogruppen“, ergänzt Mark Klingert augenzwinkernd.

Wie sehr die Politik in der gegenwärtigen Lage auf die angehenden Ärzte hofft, zeigte nicht zuletzt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der vor kurzem allen Plänen, polnische Approbationen nicht mehr anzuerkennen, eine Absage erteilte. Seese und Klingert studieren beide in Breslau und sind von der Qualität der dortigen Ausbildung überzeugt.

Dankbar über die tatkräftige Unterstützung sind auch die Pflegerinnen und Pfleger im Thorax-Zentrum. Momentan ist die Atmosphäre in der Münnerstädter Lungenfachklinik zwar noch entspannt. Drei Corona-Patienten werden derzeit auf der streng isolierten Tbc-Station versorgt. „Und deren Zustand ist nicht kritisch“, merkt Josephine Schwarzkopf an. Aber alle wissen, dass sich das ganz schnell ändern kann. Jeden Morgen melde die Krankenhausleitung die Zahl freier Intensivbetten an den Krisenstab im Landratsamt in Bad Kissingen. Zudem würden die Kapazitäten in einem Internetportal laufend erfasst, auf das die Rettungsleitstelle jederzeit zugreifen könne. „Wir erleben möglicherweise im Augenblick die Ruhe vor dem Sturm“, so die Auffassung der angehenden Akademiker.

Für deren weiteren Berufsweg hat die gegenwärtige Ausnahmesituation aber auch etwas Gutes. „Wir setzen zumindest online unsere Ausbildung fort und erleben jeden Nachmittag die berufliche Wirklichkeit“, meint Felix Seese, der im kommenden Sommer sein Physikum ablegen will. Für ihn soll es anschließend wieder zurück an eine bundesdeutsche Uni gehen, während Mark Klingert im kommenden Jahr in Berlin das sogenannte Praktische Jahr beginnen wird.

Eins zeigen aber das gefährliche Virus und die jungen Studenten gleichermaßen: Grenzen sind relativ. Weder tödliche Seuchen noch gelebter Humanismus machen vor Zollschranken und Schlagbäumen halt. „In einer humanen Gesellschaft gilt es, zusammenzuhalten und anzupacken“, so die Überzeugung des Trios. Die kommenden Wochen werden dies beweisen.

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