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Eine Chance für den Nachwuchs (6. August 2020)

Im fränkischen Weinbau ist der Generationenwechsel in vollem Gang – und das mit viel Erfolg

SommerWeinHäuser

Weinberge und Weinbau prägen ganz entscheidend die unterfränkischen Landschaften. Das zeigte sich auch bei der diesjährigen Sommertour des Bezirk Unterfranken – wie zum Beispiel hier in Escherndorf. (Foto: Mauritz)

Eibelstadt/Escherndorf. (mm) Die Jugend hat im fränkischen Weinbau eine großartige Perspektive. Zu dieser Überzeugung kam Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel zum Abschluss seiner diesjährigen Sommertour mit der Weinfachberatung am vergangenen Donnerstag (6. August). Dieser Optimismus hat einen guten Grund: die Winzergeneration, die derzeit die Zügel in jüngere Hände übergibt, hinterlässt ihren Nachfolgern gut aufgestellte Betriebe. Dennoch verläuft der Generationenwechsel nicht immer ganz reibungslos.

„Als Teenager hat mich die Arbeit im Weinberg schon ein wenig abgeschreckt“, räumt Florian Engelmann unumwunden ein. Der Junior-Chef im Weingut Leininger in Eibelstadt zog es daher zunächst vor, in Regensburg BWL zu studieren. Ein gebrochenes Fersenbein seines Vaters half ihm dann im Jahr 2015 im wahrsten Sinn des Wortes auf die Sprünge. „Mit zwei ziemlich linken Händen kam ich zurück von der Hochschule, um mich um unseren Familienbetrieb zu kümmern, bis mein Vater wieder gesund wäre.“ Sehr schnell fand er aber Gefallen an der neuen Selbstständigkeit. Und ihm wurde auch klar, dass das Leben als kleines Rädchen im mittleren Management eines Großbetriebs gar nicht so erstrebenswert ist, wie es aus der Ferne vielleicht aussieht. Zudem konnte er als Seiteneinsteiger in den elterlichen Betrieb vieles von dem in der Praxis umsetzen, was er im Hörsaal gelernt hatte.

Mittlerweile hat der 26-Jährige sehr konkrete Vorstellungen von seiner Zukunft: in fünf Jahren will er die Führung des Hofes allein übernehmen, ohne aber auf die Hilfe seiner Eltern zu verzichten. Die derzeit achteinhalb Hektar könnte man bis zu einer Größe von 15 Hektar ausbauen. Sein Ziel ist es, eines Tages zu den unterfränkischen Top-Weinerzeugern zu gehören.

Und was sagt Vater Dirk Engelmann zu den Plänen seines Sohnes? „Ich freue mich über jeden Tag, an dem ich mit ihm zusammenarbeite!“ Die Kompetenzen eines Betriebswirts sind in der Tat gerade mit Blick auf den derzeitigen Strukturwandel Gold wert. Um rund fünfzig Prozent sei die Zahl der Weinbau-Betriebe in den vergangenen 15 Jahren zurückgegangen, erläutert Weinfachberater Herman Mengler. Im gleichen Zeitraum habe die Zahl von Weinbaubetrieben, die mehr als fünf Hektar bewirtschaften, deutlich zugenommen. Wachsen oder Weichen laute vor diesem Hintergrund die Zukunft vieler Weinbaubetriebe. Aber mit der Größe kämen neue Herausforderungen auf die Winzer zu. Die Weine müssten schließlich vermarktet werden. Dabei setzt man im Weingut Leininger nicht zuletzt auch auf den unvermeidbaren Internetauftritt und auf den Tourismus, der zunehmend neue Kunden bringt.

Für Weinbaupräsident Artur Steinmann steht fest, dass auch in Zukunft „ohne Qualität gar nichts geht“. Dann aber kommt das Marketing: „Schöne Weine brauchen schöne Räume“, betont er. Rund 270 Wein- und Winzerdörfer gebe es in Unterfranken. Sie trügen ganz entscheidend zur Attraktivität Unterfrankens bei. Froh sei er über den Nachwuchs, der nun „top ausgebildet, mit viel Leidenschaft für den Wein und internationalen Kontakten“ die Tradition fortführe.

Im Weingut Rainer Sauer in Escherndorf, der zweiten Station, an der Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel Halt machte, ist die „Hofübergabe“ schon ein bisschen weiter. Sohn Daniel arbeitet bereits seit 2006 im elterlichen Betrieb und war 2011 „Jungwinzer des Jahres“, ein von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft verliehener Titel. Seine Kompetenz erwarb sich der 37-Jährige unter anderem nach einem Praktikums-Jahr in Kalifornien und seinem Studium an der renommierten Hochschule Geisenheim auch bei mehreren Weingütern außerhalb Frankens.

Im Jahr 2008 begann man im Weingut Rainer Sauer die Bewirtschaftung nach den Richtlinien des biodynamischen Weinbaus. „Der schonende Umgang mit der Natur und das Zusammenspiel von Boden und Rebstock ist unsere oberste Maxime“, betont der Winzer. Im kommenden Jahr will Senior-Chef Rainer Sauer den Betrieb an seinen Sohn übergeben. Dann sei er 65, sagt er, und das sei der richtige Zeitpunkt dafür!  

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