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Historische Forschung mit Schaufel und Spaten (20. August 2020)

Bezirkstagspräsident Dotzel informiert sich über die Arbeit des Archäologischen Spessart-Projekts

Politiker informieren sich über archäologisches Projekt

Auf den Spuren der Vergangenheit (von links): Harald Rosmanitz (Fachbereichsleiter Archäologie), Wolfgang Beyer (stellvertretender Vorsitzender Archäologisches Spessart-Projekt und 1. Vorsitzender Verein für Heimatpflege Waldaschaff), Bezirksrat Werner Elsässer, Bürgermeister und Bezirksrat Marcus Grimm (Waldaschaff) und Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel (Foto: Mauritz)

Waldaschaff. (mm) Es braucht ein wenig Fantasie, um sich das Leben auf der ehemaligen Burg auf der Wahlmich vorzustellen. In einem Waldstück nur ein paar hundert Meter südlich von Waldaschaff befinden sich auf einem gewaltigen Hügel die Mauerreste des Wehrbaus, der vor wenigen Jahren auf Betreiben des Archäologischen Spessart-Projekts wiederentdeckt wurde. In mehrmonatiger Arbeit, mit finanzieller Unterstützung durch die Gemeinde Waldaschaff und den Bezirk Unterfranken sowie vielen freiwilligen Helfern war 2016 zunächst die südliche Schutzmauer und der davorliegende Burggraben freigelegt worden, 2018 wurde anschließend der weitere Verlauf der Ringmauer im Nordteil der Festungsanlage untersucht.

Dreizehn solcher Grabungsstellen hat das 1998 als gemeinnütziger Verein gegründete Archäologische Spessart-Projekt bislang erforscht – „in mehreren Grabungskampagnen“, wie Wolfgang Beyer, stellvertretender Vereinsvorsitzender, bei einem Besuch von Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel an der Waldaschaffer Ausgrabungsstelle am vergangenen Donnerstag (20. August) betonte. Dank der Unterstützung des Bezirks habe sich das Spessart-Projekt zu einer Institution entwickelt, „die sich der Erforschung und Vermittlung der Landschaft durch Bürgerwissenschaft und bürgerschaftliches Engagement verschrieben hat“, so Beyer. Als Beleg dafür wies Beyer auf die mehr als 7.000 Bürgerinnen und Bürger hin, die seit der Gründung des Vereins als ehrenamtliche Helferinnen und Helfer an einzelnen Projekten mitgearbeitet hätten.

Auch bei den Grabungsarbeiten auf der Wahlmich waren Schülerinnen und Schüler sowie Studentinnen und Studenten beteiligt. Und dabei spielte nicht nur die Kostenfrage eine Rolle. „Auf diese Weise sensibilisieren wir schon die jungen Leute für unsere Geschichte“, betonte Bürgermeister Marcus Grimm (Waldaschaff), der das Projekt von Anfang an unterstützt hatte. „Der Gemeinderat war Feuer und Flamme“, so Grimm, der auch Mitglied des Bezirkstags ist. Denn da es in Waldaschaff keinen Geschichtsverein gab, seien die Forschungsergebnisse dieser Ausgrabung für die Menschen besonders wichtig gewesen.

Zu diesen wissenschaftlichen Erträgen zählte Harald Rosmanitz, Fachbereichsleiter Archäologie beim Spessart-Projekt, unter anderem die Erkenntnis, dass die Burg am Ortsrand von Waldaschaff einst bedeutender war, als früher angenommen. Die Grafen von Rieneck hätten die Burg im Rahmen ihrer Expansion in Richtung Aschaffenburg um 1220 errichten lassen, erzählte Rosmanitz bei seiner Führung über das Ausgrabungsgelände. Denn schon damals habe eine wichtige Handelsstraße an der Burg vorbeigeführt. Der gräfliche Ehrgeiz fand allerdings ein jähes Ende, als die Grafen von Rieneck 1266 in der Schlacht bei Alzenau gegen die Truppen des Erzbischofs von Mainz den Kürzeren zogen. Innerhalb von vierzehn Tagen mussten die Grafen alle ihre Burgen im Vorland von Aschaffenburg selbst zerstören.

Heute wachsen mächtige Buchen auf dem Gelände. Verkehrstechnisch bedeutend ist die Gegend noch immer – nur, dass es heute die Autobahn ist, die einen Steinwurf entfernt vorbeirauscht. Hätten hier nicht ehrenamtliche Helfer rund 20.000 Stunden gegraben, sähe das Gelände aus wie eine bewachsene Bergkuppe. So aber lugen immer wieder die freigelegten Mauerreste aus dem Waldboden. Mächtige Blöcke aus Sandstein liegen herum, als solle der Bau demnächst fortgesetzt werden. Bohrlöcher deuten an, wo die Archäologen besonders gründlich gesucht haben. Vorsichtshalber sind die Gruben mit schwarzen Planen abgedeckt.

Einen eigenen Namen hatte die Burg auf der Wahlmich wahrscheinlich nie, wie Wolfgang Beyer meint. Und auch keine gräflichen Bewohner, die hier lebten. „Hier saß halt ein Aufsichtsbeamter der Grafen, ein Kastellan!“ Allenfalls bei Jagdausflügen der hohen Herren dürfte die Burg als Nachtlager gedient haben, mutmaßt der stellvertretende Vorsitzende des Spessart-Projekts. Stolz ist er aber dennoch auf das, was der Verein hier geleistet hat.

Archäologische Grabungen sind aber längst nicht alles, was zu den Aufgaben des Spessart-Projekts gehört. Zu den anderen Hauptaugenmerken des Vereins zählt Beyer das Netz europäischer Kulturwege, das mittlerweile ganz Unterfranken abdeckt. Bei seiner Arbeit stützt sich das Spessart-Projekt auch auf das Spessart-GIS, ein geographisches Informationssystem, in dem alle Informationen zusammengeführt und verwaltet werden.

Dotzel erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass das Archäologische Spessart-Projekt seit 2010 ein Institut der Uni Würzburg ist und sich als Nichtregierungsorganisation an der Umsetzung der Europäischen Landschaftskonvention des Europarats beteiligt. Dotzel dankte dem Verein, den der Bezirk Unterfranken in den vergangenen fünf Jahren mit über einer Million Euro gefördert hat, für seine Beiträge zur Erforschung des jüdischen Landlebens und die, wie er sagte, „vorbildliche Netzwerkarbeit vor Ort, etwa mit den Ortsgruppen des Spessartbundes“.

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