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„Historische Gebäude trotzen jeder Krise“ (13. Oktober 2020)

Verleihung des Förderpreises zur Erhaltung historischer Bausubstanz im Schatten von Corona

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Seit 2002 vergibt der Bezirk Unterfranken den Förderpreis zur Erhaltung historischer Bausubstanz. (Foto: Hiller)
 

Schweinfurt. (hil) Den in diesem Jahr mit insgesamt 175.000 Euro dotierten „Förderpreis der Kulturstiftung des Bezirk Unterfranken zur Erhaltung historischer Bausubstanz“ hat Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel am gestrigen Dienstag (13. Oktober) in der Rathausdiele Schweinfurt an die Eigentümer der in diesem Jahr ausgezeichneten sieben Gebäude überreicht.

Den Preis teilen sich die Familie Andrea und Olaf Ernst für die Erhaltung der „Alten Brauerei“ in Rauhenebrach im Ortsteil Untersteinbach (Landkreis Haßberge), Jürgen Kubitza für die Erhaltung des ehemaligen Gasthauses „Zum Hirschen“ in Großheubach (Landkreis Miltenberg), Steffen Werner für die Sanierung einer Bauernhofanlage in Bad Königshofen im Ortsteil Untereßfeld (Landkreis Rhön-Grabfeld), die Gemeinde Bergrheinfeld für die Generalsanierung der „ehemaligen Vogtei“ des Juliusspitals (Landkreis Schweinfurt), die Aschaffenburger Versorgungs-GmbH (AVG) für das Digitale Gründerzentrum „Alte Schlosserei“ (Stadt Aschaffenburg), die Oechsner Grundbesitz „R“ GbR für die Sanierung des Gebäudes „Roter Bau“ in Würzburg (Stadt Würzburg) und schließlich die Stadt Schweinfurt für die Sanierung des „Zeughaus“ (Stadt Schweinfurt).

Mit Blick auf die Corona-Pandemie sagte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, Krisen seien historisch nichts Neues: „Und wenn wir in den Geschichtsbüchern zurückblättern und sehen, was vor fünfzig, vor hundert oder vor zweihundert Jahren geschehen ist, dann bekommen wir ein Gefühl dafür, was die historischen Gebäude schon alles überstanden haben, die wir heute auszeichnen.“ Dem Bezirk Unterfranken liege die Erhaltung historischer Bausubstanz sehr am Herzen. Seit 2002 werde daher der Förderpreis ausgelobt. Jedes Jahr würden herausragende Objekte aus den neun Landkreisen und den drei kreisfreien Städten Unterfrankens mit jeweils 25.000 Euro gefördert. Der Förderpreis des Bezirks zähle damit zu den höchstdotierten Denkmalpreisen in ganz Deutschland.

Die ehemalige Brauerei in Untersteinbach bezeichnete der Bezirkstagspräsident als ein Industriedenkmal, von denen es im ländlichen Raum nicht mehr viele gebe. „Und schon gar keine, die so vorbildlich einer neuen Nutzung zugeführt wurden“, betonte Dotzel. Den Eheleuten Ernst sei es gelungen, „eine herausragende und beispielgebende Denkmalsanierung unter Beibehaltung des historischen Erscheinungsbildes zu starten“, so der Bezirkstagspräsident weiter.

Dem ehemaligen Gasthaus „Zum Hirschen“ in Großheubach (Landkreis Miltenberg), das seit 1990 leer stand, drohte bereits der Abriss, sagte Dotzel. „Zum Glück gelang es dem Bauherrn Jürgen Kubitza das denkmalgeschützte Gebäude mit Unterstützung des Landkreises Miltenberg und dem Landesamt für Denkmalpflege im historischen Stadtkern Großheubachs zu retten“, freute sich Dotzel und fügte an: „Nur durch die grundlegenden Restaurierungsarbeiten und das große Engagement von Jürgen Kubitza konnte das ortsbildprägende Gebäude erhalten werden!“

Als ein „wunderschönes Gebäude“ bezeichnete der Bezirkstagspräsident den Bauernhof der Familie Steffen Werner in Unteressfeld. „Man kann hier von einem Lebensprojekt für junge Familien sprechen“, sagte Dotzel. Einen Beleg dafür liefert der Zeitraum der Sanierung. „Seit 2010 haben es sich Steffen Werner und seine Familie zur Aufgabe gemacht, eine typisch fränkische Bauernhofanlage zu erhalten – und das ist ihnen auf bemerkenswerte Art und Weise gelungen!“, zeigte sich Dotzel beeindruckt.

An prominenter Stelle in Bergrheinfeld steht die ehemalige Vogtei des Juliuspitals, in dem sich heute das Rathaus befindet. Dotzel lobte die Gemeinde Bergrheinfeld für die aufwendige Restaurierung des Gebäudes. „Mit dieser Generalsanierung hat die Gemeinde Bergrheinfeld ein wichtiges Zeichen für die Zukunft des Ortskerns und für eine erfolgreiche Innenentwicklung gesetzt“, sagte Dotzel.   

Auch das Digitale Gründerzentrum „Alte Schlosserei“ in Aschaffenburg sei heute ein echter Hingucker. Dotzel sprach von „einer genialen Mutation, die das einstige Apparatehaus des Aschaffenburger Gaswerks erlebt hat“. Dem ehemaligen Gas- und Kohlewerk bescheinigte Dotzel eine „zukunftsweisende Nutzung“. Denn nachdem das Gebäude jahrzehntelang als Schlosserei und Ausbildungswerkstatt der Aschaffenburger Stadtwerke gedient habe, wurde es nun zum Digitalen Gründerzentrum ausgebaut. „Durch die Aufarbeitung vorhandener historischer Einbauten, wurden inspirierende Arbeits- und Begegnungsräume geschaffen“, sagte Dotzel.

Der sogenannte „Rote Bau“ in Würzburg dürfte vielen ein Begriff sein. Dank seiner zentralen Lage in unmittelbarer Nähe zur Würzburger Residenz sei dieses eindrucksvolle Bauwerk in der Theaterstraße nicht wegzudenken. Dotzel ging auf die bewegte Geschichte des Gebäudes ein und bedankte sich bei den neuen Eigentümern, der Oechsner Grundbesitz „R“ GbR: „Nur durch Ihr Engagement war es möglich, so ein herrliches, historisches Gebäude in neuem Glanz erstrahlen zu lassen und für die Öffentlichkeit zu erhalten“.

Auch das letzte Anwesen, das Dotzel auszeichnete, blickt auf eine lange Geschichte zurück. „Das Zeughaus in Schweinfurt und der es umgebende Platz prägen das Stadtbild und bilden einen Identifikationspunkt der nördlichen Altstadt“, stellte Dotzel fest. Umso schöner sei es, dass dieses Gebäude jetzt als offener Begegnungsort für Kinder, Jugendliche und Familien aus dem ganzen Stadtgebiet diene, resümierte Dotzel.

Abschließend dankte Dotzel der Jury, der neben ihm als Bezirkstagspräsidenten sechs weitere Bezirkstagsmitglieder angehörten und zwar Stefan Funk, Rosa Behon, Thomas Habermann, Klara May, Bernhard Ruß und Thomas Zöller, der heuer von Thomas Schiebel vertreten wurde, ferner Prof. Dr. Klaus Reder als Vertreter aus dem Bereich Bezirksheimatpflege, Hans-Christof Haas als Vertreter des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Dr. Uwe Klug, Kanzler der Universität Würzburg, als Vertreter der unterfränkischen Hochschulen und der Architekt Michael Hetterich, der von der Bayerischen Architektenkammer vorgeschlagen wurde.

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