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Der Charme der dritten Halbzeit (20. Oktober 2020)

Bezirk Unterfranken vergibt Inklusionspreis in der Kategorie „Freizeit und Sport“

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Auf Abstand und Mundschutz bedacht: Auch bei der Vergabe des unterfränkischen Inklusionspreises an das „Inklusive Fußballteam Veitshöchheim“ gab die Corona-Pandemie die Spielregeln vor. (Foto: Mauritz)

Veitshöchheim. (mm) Sport überwindet Grenzen. Das zeigt sich nicht nur im internationalen Sportgeschehen, das gilt auch das „Inklusive Fußballteam Veitshöchheim“. Für die Inklusionspreis-Jury beim Bezirk Unterfranken war das im wahrsten Sinn des Wortes eine Steilvorlage. Sie sprach den Veitshöchheim-Kickern den Preis in der Kategorie „Freizeit und Sport“ zu.

„Alle Menschen sollen gleichberechtigt am Leben teilnehmen können, egal ob mit oder ohne Behinderung!“, betonte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel bei der Preisübergabe am Dienstag (20. Oktober) im Innenhof des Berufsförderungswerks (BFW) in Veitshöchheim. Dies wolle der Bezirk mit seinem unterfränkischen Inklusionspreis unterstützen. Am liebsten hätte er den Preis in einem „riesigen Fußballstadion vor ganz vielen begeisterten Menschen“ überreicht, sagte Dotzel augenzwinkernd, „so, wie es sich für eine erfolgreiche Fußball-Mannschaft gehört!“ Aber der Corona-Virus zwinge eben zu einem anderen Drehbuch.

Seit 2004 treffen sich einmal die Woche Fußballbegeisterte aller Altersgruppen, Nationalitäten und Berufsgruppen – ob mit oder ohne Handicap – auf dem BFW-Sportplatz, um ihrer Lust am Ballsport freien Lauf zu lassen. BFW-Pressesprecher Marcus Meier und der IT-Experte des BFW, Ernst Heßdorfer, spielten sich den Ball bei der Vorstellung ihres Teams zu, dem es von Anfang an nur um die Freude am Spaß gegangen sei. Zu den Fußballern gehören Kriegsflüchtlinge aus Syrien oder Äthiopien ebenso wie ehemalige BFW-Zivis oder Schüler des Berufsförderungswerks oder des Caritas-Don Bosco-Berufsbildungswerks – ein quicklebendiger Haufen, in dem der Mannschaftsgeist den Ton angibt. Und wo die sprachlichen Herausforderungen für deutsche Zungen zu groß werden, darf auch gelegentlich getrickst werden: so wurde aus dem Afrikaner Mehawi Weidu kurzerhand ein „Hauwi“. Ob in der Originalfassung oder in der „eingedeutschten“ Version: „Er ist ein toller Typ“, lobten Marcus Meier und Ernst Heßdorfer in ihrer launigen Vorstellungsrunde. So wie das ganze Team aus „richtigen Typen“ bestehe, wie zum Beispiel aus ehemalige Straßenfußballern, andere mit Offensivdrang, wieder andere, die immer gut gelaunt seien oder die Körperstärke zeigten.

Den Ball griff auch der Bezirkstagspräsident in seiner Laudatio auf. Der Bezirk wolle mit dem Inklusionspreis Maßnahmen, Projekte oder Angebote in Unterfranken auszeichnen, die „die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung im Alltag nachhaltig und konkret verbessern oder einen spürbaren Beitrag zu ihrer Teilhabe am Leben in der Gesellschaft leisten“. Teilnehmen könnten alle in Unterfranken ansässigen Organisationen und Einrichtungen, Vereine, Hilfsorganisationen, Bildungseinrichtungen und ähnliche Institutionen sowie Firmen und Einzelpersonen. Eine große Rolle spiele dabei das bürgerschaftliche Engagement. Ausgelobt werde der Preis an sich in vier Kategorien, nämlich für die Bereiche: „Arbeit“, „Bildung und Erziehung“, „Kultur, Natur und Umwelt“ und „Freizeit und Sport“. Insgesamt seien dieses Jahr 28 Bewerbungen eingegangen. „Und ich muss ganz ehrlich gestehen, dass es diese 28 Bewerbungen der Jury sehr schwer gemacht haben. Alle haben ein sagenhaftes Engagement für die Inklusion an den Tag gelegt. Am Ende haben wir uns entschlossen, in diesem Jahr noch einen Sonderpreis für Vielfältiges Engagement für Inklusion als fünfte Kategorie zu vergeben“, betonte Dotzel. Als Preisgeld erhalte jeder einzelne Gewinner 2.500 Euro. Insgesamt habe der Bezirk Unterfranken in diesem Jahr 12.500 Euro ausgereicht.

Dotzel dankte in diesem Zusammenhang der Jury, der neben ihm die beiden Behindertenbeauftragten des Bezirks, Karin Renner und Christina Feiler, sowie Bezirksrätin Rosa Behon und Bezirksrat Thomas Zöller angehörten. Evi Gerhard vertrat im Preisgericht die Menschen mit Körperbehinderung, Sonja Scheuplein die Menschen mit geistiger Behinderung, und Herbert Hennlich fungierte als Vertreter der Blinden sowie Karin Ball als Vertreterin für Menschen mit seelischen Erkrankungen.

Für Rührung unter den Zuhörern sorgte schließlich Yasser Alhussain, der sich im Namen des ganzen Teams für die Auszeichnung mit dem Inklusionspreis bedankte. Der 26-Jährige aus Damaskus gehört trotz seiner starken Sehbehinderung zu den eifrigsten Kickern dieser Mannschaft. Vor vier Jahren und zehn Monaten sei er nach Deutschland gekommen, sagte er. Für ihn sei das Fußballtraining in Veitshöchheim jedesmal der Höhepunkt der Woche. Entscheidend sei für ihn, dass jeder mitkicken dürfe, ganz egal, wie leistungsstark er sei oder welches Handicap er habe. Die Freude und der Spaß am Fußballspielen genügten. Und noch etwas sei ihm ganz wichtig: die dritte Halbzeit! „Wir sitzen nach dem Spiel zusammen und reden und trinken“, erläuterte Yasser Alhussain, was den Reiz daran ausmache: „Das Deutsch, das ich heute kann, habe ich zum großen Teil in der dritten Halbzeit gelernt!“

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