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Winzer packen die Dinge an (7. August 2025)

Vielfältiger Wandel stellt Unterfrankens Weinbau vor große Herausforderungen

Im Weinkeller reiht sich Edelstahltank an Edelstahltank. Das Bild zeigt (von links): Weinbau-Präsident Artur Steinmann, Bezirkstagspräsident Stefan Funk, Sandra Sauer und Horst Sauer. (Foto: Mauritz)

Escherndorf. (mm) Nichts bleibt wie es ist. Das wussten schon die antiken Philosophen. Auch im Weinbau ist derzeit vieles in Veränderung. Für Unterfrankens Winzer aber kein Grund zu Pessimismus. Davon überzeugte sich Bezirkstagspräsident Stefan Funk am Donnerstag (7. August) bei seiner Sommertour mit der Weinfachberatung an der Volkacher Mainschleife.

„Wir wollen die Dinge anpacken!“, versicherte Horst Sauer vom gleichnamigen Weingut in Escherndorf mit Blick auf den klimatischen, aber auch gesellschaftlichen Wandel, der nicht nur in der Weinwirtschaft für neue Herausforderungen sorge. Wie ernst es der renommierte Winzer damit meint, bewies recht überzeugend der gewaltige Neubau, in dem sich die Exkursions-Truppe zur Weinbereisung traf. Von der künftigen Vinothek mit einer nach Süden ausgerichteten breiten Glasfront und einem historischen Gewölbekeller, in dem künftig die zahlreichen Auszeichnungen der vergangenen Jahre ausgestellt werden, ging es per Lift 18 Meter hinauf zur Traubenannahme direkt am Fuß des legendären „Escherndorfer Lump“.

Angesichts von soviel unternehmerischem Engagement erklärte Bezirkstagspräsident Funk, was ihn nerve: „Mich nervt, wenn guter Wein im Discount-Laden verramscht wird, und mich nervt, wenn bei Veranstaltungen des Freistaat Bayern Grüner Veltliner aus Österreich ausgeschenkt wird!“ Gemeinsam mit Weinbau-Präsident Artur Steinmann wolle er sich demnächst dafür stark machen, dass künftig Franken-Wein in die Gläser kommt, wenn die Staatsregierung zu Empfängen einlade. Und noch etwas betonte er: „Vergällt mir den Alkohol nicht!“ 

Weinfachberater Ralf Schwarz griff diese Forderung spontan auf: Wein sei schließlich ein Kulturgut, ein Genussmittel, ein Stück Lebensfreude, sagte er. Und zudem diene der Weinbau der Landschaftspflege: „Wie sähen unsere Main-Hänge ohne die Weinberge aus!“

Dazu passte dann auch gut das Zitat von Kurt Marti, das als breiter Schriftzug unter der Decke der künftigen Vinothek aufgemalt ist: „Wo kämen wir denn hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“ Ganz in diesem Sinne erklärte Horst Sauer seinen Weg „vom Traum zum Machen“. Wichtig sei dabei aber auch der „Blick von außen in den Betrieb hinein“. Beratung sei daher ein entscheidender Aspekt für den Erfolg, sagte er an die Adresse der Weinfachberatung des Bezirks.

So habe man die Arbeitsabläufe optimiert, wie Sandra Sauer, die Junior-Chefin, erläutert. Nach der Traubenannahme und der Pressung laufe der Traubensaft über eine Leitung in den Keller. Dort entstehen jene Weine, die seit Jahren immer wieder mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichneten werden. Edelstahltank reiht sich an Edelstahltank.  „Wir haben auch einen Holzfasskeller“, freut sich Sandra Sauer. Den habe sie sich gewünscht.

Ein kurzes Stück die Straße weiter kehrte die Präsidenten-Truppe im Escherndorfer „Bocksbeutel-Hof“ ein, einem Zusammenschluss von rund dreißig Winzern. Mit einem trockenen 2024er Riesling aus der Steillage Escherndorfer Lump hatte sich die Winzergenossenschaft im vergangenen Frühjahr für den diesjährigen „Präsidenten-Wein“ qualifiziert. Der edle Tropfen werde bei besonderen Veranstaltungen des Bezirks ausgeschenkt, um „besondere Augenblicke noch edler zu machen“, wie Bezirkstagspräsident Funk betonte. Es sei ihm ein großes Anliegen, herausragende Franken-Weine „ins Schaufenster zu stellen“.

Nach Auffassung von Weinbau-Präsident Steinmann werde „die Heimat mit dem Wein sichtbar“. Dass der Bezirk den Wein als Kulturgut anerkenne, habe Franken nach vorn gebracht.

Für den abschließenden Programmpunkt überquerte die Exkursions-Gruppe den Main – stilecht auf einer Fähre. Die Anfänge von „Divino“, der Winzergenossenschaft in Nordheim, gehen zurück in die 1950er Jahre. 2012 schloss sich noch die Genossenschaft von Thüngersheim dem Verbund an. Divino ist seither der zweitgrößte Weinbaubetrieb in der Region.

Wie Geschäftsführer Gerald Wüst bei der Vorstellung seines Unternehmens deutlich machte, trügen Genossenschaften dazu bei, kleinbäuerliche Strukturen in der Region zu bewahren. „Wir schaffen lebendige Dörfer, setzen uns für Kultur- und Landschaftspflege ein und belassen unsere Wertschöpfung in der Region. Unsere 125 Winzerinnen und Winzer auf über 300 Hektar Rebfläche in Nordheim und Thüngersheim nehmen aktiv am Dorfleben teil und engagieren sich für die Gemeinde“, so Wüst weiter. Knapp fünfzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmerten sich im Kelterhaus der Genossenschaft und in den Divino-Kellern um den Ausbau der Weine, um das Marketing und um den Vertrieb. Von Synergien bei der neuen Annahme und einem tollen Haus, das nach 25 Jahren immer noch zeitgemäß sei, berichtete der Vorstandsvorsitzende Günter Höhn bei einer beeindruckenden Tour durch den alten Weinkeller. "Wir versuchen, dass unsere Weine jedes Jahr ein bisschen besser werden", sagte Höhn mit Blick auf die Zukunft. 

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