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„Tracht ist in erster Linie Erfindung“ (7. April 2014)


Datenbank „Trachtengrafik“ des Bezirk Unterfranken will „Mythen entgegenwirken und neue Möglichkeiten erschließen“


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Bild eines Datensatzes aus der Datenbank "Trachtengrafik" des Bezirk Unterfranken: Junges Mädchen aus Geldersheim von Catharina Geiger, aquarellierte Federzeichnung, um 1815.
 

Würzburg / Rügheim. (keck) Klischees und medial vermittelten Stereotypen im Forschungsfeld der fränkischen Trachten will die Datenbank „Trachtengrafik“ des Bezirk Unterfranken entgegenwirken. Deutlich machten das beim Symposium Heimatforschung am vergangenen Samstag (5. April 2014) die Trachtenberaterin des Bezirk Unterfranken Christiane Landgraf und Annemarie Heuler, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Referat Kulturarbeit und Heimatpflege beim Bezirk Unterfranken. Das seit 2010 im Referat begonnene Datenbankprojekt dokumentiert Trachtengrafiken des 19. und 20. Jahrhunderts. Diese sind, so die beiden Trachten-Expertinnen, bis ins 20. Jahrhundert, abgesehen von wenigen Ausnahmen, die einzigen bildlichen Quellen, die Auskunft geben können über die Trachten der damaligen Zeit.

Die Abbildungen in der Datenbank zeigen weibliche oder männliche Einzelpersonen, Kinder, aber auch Figurengruppen in ländlichen oder bürgerlichen Arbeits-, Ausgangs- und Festtagstrachten. Teilweise wird die Bekleidung detailgetreu wiedergegeben. „Die Darstellungen sind jedoch von einem künstlerischen, idealisierten Standpunkt aus geschaffen und daher häufig stilisiert, die Trachtträgerinnen und -träger in künstliche Landschaften gestellt“, so Christiane Landgraf. Die Künstler waren vom Zeitgeist ihrer Epoche geprägt und haben vielfach nach Auftrag gearbeitet. Landgraf und Heuler machten deutlich: „Die Trachtendarstellungen können daher nicht als exakte Dokumentation des tatsächlichen Kleidungsverhaltens im 19. Jahrhundert angenommen werden.“ Dies sei bei Forschungen, vor allem beim Entwurf erneuerter Trachten für Regionen, Städte oder Dörfer zu berücksichtigen, wolle man nicht fatalen Fehlschlüssen aufsitzen.

Ausgangspunkt für die Erstellung der Datenbank war die 1982 in Würzburg erschienene Publikation „Unterfränkische Trachtengrafik“ von Angelika Müllner, in der 131 Trachtengrafiken erfasst sind. Im Rahmen der Recherchen des Referats Kulturarbeit und Heimatpflege konnten bislang rund 350 Trachtengrafiken eruiert werden, von denen aktuell mehr als 80 Datensätze in der Datenbank veröffentlicht wurden.

Die Datenbank, erreichbar unter http://www.bezirk-unterfranken.de/heimatpflege/datenbanken/index.htmlexterner Link, ist sowohl für die Trachtenberatungsstelle ein wichtiges Arbeitsinstrument, als auch ein Serviceangebot für Vereine, Kapellen und Gruppen, die Trachten anschaffen möchten. Darüber hinaus liefert die Datenbank einschlägige Literaturangaben zur Thematik.
 

Das Symposium Heimatforschung findet jährlich im Tagungs- und Kulturzentrum Schüttbau in Rügheim statt. In Zusammenarbeit mit dem Bezirksheimatpfleger von Oberfranken, Prof. Günter Dippold, dem Colloquium Historicum Wirsbergense und dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege organisiert der Bezirk Unterfranken unter Federführung von Bezirksheimatpfleger Prof. Klaus Reder diese Veranstaltung, auf der sich Fachleute treffen, um ihre neuesten Forschungsergebnisse zu präsentieren.
 

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