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„Architektur ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit“ (18. September 2018)

Bezirkstagspräsident Dotzel verleiht Förderpreise zur Erhaltung historischer Bausubstanz

 

Bausubstanz2018

Vor dem Tagungs- und Kulturzentrum Schüttbau in Rügheim präsentierten die diesjährigen Gewinner des „Förderpreis der Kulturstiftung des Bezirk Unterfranken zur Erhaltung historischer Bausubstanz“ gemeinsam mit Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel ihre Auszeichnungen. (Foto: Mauritz)

 

Rügheim. (mm) Den mit insgesamt 150.000 Euro dotierten „Förderpreis der Kulturstiftung des Bezirk Unterfranken zur Erhaltung historischer Bausubstanz“ hat Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel am gestrigen Dienstag (18. September) im Tagungs- und Kulturzentrum Schüttbau in Rügheim (Landkreis Hassberge) an die Eigentümer der in diesem Jahr ausgezeichneten sechs Gebäude überreicht. Den Preis teilen sich Simone und Dr. Bernd Vierneusel für die Sanierung eines Bauernhofs im Hofheimer Ortsteil Rügheim (Landkreis Hassberge), Anja und Dr. Axel Schnabel für die Renovierung des so genannten Templerhauses in Kleinwallstadt (Landkreis Miltenberg), Christine und Dr. Klaus Wehe für die Instandsetzung eines Bauernhofs in Herbstadt (Landkreis Rhön-Grabfeld), Michael Mößlein für die Sanierung des ehemaligen Stiftshofs in Gerolzhofen (Landkreis Schweinfurt), die Stadt Aschaffenburg für die Fortentwicklung der ehemaligen Jesuitenkirche und des Jesuitenkollegs in Aschaffenburg sowie die Bürgerbräu Projektentwicklungs GmbH & Co. KG für die Revitalisierung der ehemaligen Brauereigebäude in der Frankfurter Straße in Würzburg.

Dotzel, der auch stellvertretendes Mitglied im Landesdenkmalrat ist, sagte in seiner Laudatio, Architektur bestimme zu einem entscheidenden Teil unseren Alltag. „Wenn wir nicht gerade einen Spaziergang machen oder uns aus sonst irgendeinem Grund im Freien aufhalten, spielt sich alles Wesentliche in Häusern ab.“ Ohne Übertreibung lasse sich feststellen, dass die menschliche Zivilisation ohne Bauwerke gar nicht denkbar wäre. „Architektur schafft den Rahmen, in dem wir leben.“ Deswegen sei Architektur weder Luxus noch Dekoration. Architektur sei vielmehr eine gesellschaftliche Notwendigkeit.

Wegen der großen Bedeutung des Denkmalschutzes unterstütze der Bezirk Unterfranken seit 2002 die Erhaltung historischer Bausubstanz mit einem Förderpreis, so Dotzel weiter. Jedes Jahr würden sechs herausragende Objekte aus den neun Landkreisen und den drei kreisfreien Städten Unterfrankens mit jeweils 25.000 Euro gefördert. Insgesamt vergebe der Bezirk Unterfranken 150.000 Euro. Der Förderpreis des Bezirk Unterfranken zähle mit dieser eindrucksvollen Summe zu den höchstdotierten Denkmalpreisen in ganz Deutschland.

Sinnvolle Nutzung historischer Gemäuer

Den denkmalgeschützten Bauernhof in der Ortsmitte von Rügheim bezeichnete Dotzel als ein Vorzeigeobjekt. Die Dreiseitanlage habe die Jury nicht zuletzt wegen ihres imposanten Eindrucks überzeugt. Das Gebäude stamme aus dem 19. Jahrhundert. Eine Besonderheit sei die nahezu vollständig erhaltene historische Ausstattung. Neben dem Wohngebäude seien auch die Scheune und die Remise als historische Nebengebäude erhalten. Die Eigentümer Simone und Dr. Bernd Vierneusel seien von Anfang an dem Vorsatz gefolgt, „dieses architektonische Juwel detailgetreu zu sanieren“. Besonders betonte Dotzel das große Engagement der jungen Familie, die bei der Sanierung des Anwesens sehr viel Eigenleistung eingebracht habe. Der Bezirkstagspräsident unterstrich zudem das erfolgreiche Zusammenspiel mit einer dörflichen Innenentwicklung und dem Leerstand-Management.

Auch das so genannte Templerhaus in der Marktstraße 13 in Kleinwallstadt sei etwas ganz Besonderes, sagte Dotzel. Das Templerhaus gehöre zu den ältesten massiven und zudem nahezu integral erhaltenen Profanbauten Mainfrankens. Umso höher sei es zu schätzen, dass die beiden Eigentümer, Anja und Dr. Axel Schnabel, eine sachgerechte Restaurierung in Angriff nahmen und das Anwesen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Das Steinhaus aus dem Hochmittelalter stehe über einem annähernd quadratischen Grundriss aus der Zeit um 1200 oder aus dem frühen 13. Jahrhundert. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sei ein erster greifbarer Umbau erfolgt. Das Templerhaus sei damals als Wehrbau genutzt worden und habe später wohl auch sakrale Funktion gehabt. Ab 1567 bis in die 1950er Jahre habe das Gebäude als Wohnhaus gedient, anschließend als Schreinerei.

Auch das Ehepaar Christine und Dr. Klaus Wehe habe sich eines historischen Bauernhofs aus dem 19. Jahrhundert angenommen. Bei dem Gebäude in Herbstadt (Landkreis Rhön-Grabfeld) falle schon auf den ersten Blick die für das Grabfeld typische, aufwändig gestaltete Hoftoranlage sowie das Erdgeschoss aus Werksteinen auf, so Dotzel. Die Eigentümer hätten sich mit großem Einfühlungsvermögen und Verständnis einem herabgewürdigten Baudenkmal in einem von großem Leerstand geprägten Dorf angenommen, lobte Dotzel. Mit Hilfe von Fachleuten und Handwerkern habe das Ehepaar den historischen Bauernhof wieder „in einen vorher nicht zu erwartenden schönen und authentischen Zustand gebracht“. Durch die Nutzung als Atelierhaus werde das Baudenkmal regelmäßig öffentlich zugänglich sein und auf diese Weise für eine behutsame und zurückhaltende Denkmalpflege werben.

Zum ehemaligen Stiftshof in Gerolzhofen, der 1525 im Bauernkrieg zerstört und erst 1603 unter Fürstbischof Julius Echter neu errichtet wurde, erklärte Dotzel: „Für den heutigen Eigentümer Michael Mößlein war die Sanierung ein wahres Herzensanliegen – beim Stiftshof Gerolzhofen handelt es sich nämlich um sein Elternhaus!“ Entsprechend engagiert habe Michael Mößlein das Projekt in Angriff genommen. Die im Lauf der Jahrhunderte verbauten Grundrisse seien auf die ursprünglichen Raumstrukturen zurückgeführt worden, wodurch drei attraktive Wohneinheiten entstanden seien. Im Innenhof habe man einen jüngeren Anbau entfernt, so dass der Treppenturm wieder voll zur Geltung komme. Aus Sicht der Jury habe mit dem Stiftshof „das Ensemble Gerolzhofen einen weiteren Schatz wiedergewonnen, der die reiche Geschichte der Stadt bezeugt und das historische Ortsbild nachhaltig belebt“, zitierte der Bezirkstagspräsident.

Ein weiterer Preis ging an die Stadt Aschaffenburg für die Fortentwicklung der ehemaligen Jesuitenkirche und des Jesuitenkollegs. Dieses Ensemble sei in den Jahren 1619 bis 1621 entstanden, 1701 bis 1704 habe man die Kollegiengebäude weiter ausgebaut und 1726/27 an der Pfaffengasse ein Schulgebäude, das „Gymnasium“, errichtet. Aufgrund der schweren Schäden nach dem Zweiten Weltkrieg sei das Gymnasium abgerissen worden, die andern Gebäude des Kollegs habe man Schritt für Schritt wiederhergestellt. Seit 1976 werde die ehemalige Jesuitenkirche nach der Wiederherstellung des Innenraums mit seinen wertvollen Stuckaturen als Kunsthalle genutzt. Der Bezirkstagspräsident wies darauf hin, dass der Gebäudekomplex Teil des künftigen Aschaffenburger Museumsquartiers sein werde. Momentan liefen noch die Umbauten zur Errichtung eines Christian-Schad-Museums, das den ersten Bauabschnitt dieses neuen Museumsquartiers bilden werde. Damit entstünde inmitten der Aschaffenburger Altstadt „ein urbaner Treffpunkt, der das historische Bauensemble mit der Nutzung eines Kunstmuseums verbindet“, sagte Dotzel.

Der sechste Preis ging nach Würzburg. Beim Bürgerbräu-Gebäude in der Domstadt handele es sich um ein Ensemble, das für sich allein genommen schon ein eigener kleiner Stadtteil sein könnte, betonte Dotzel. Das ehemalige Brauereigebäude stamme aus dem Jahr 1886. Bis 1989 sei es auch tatsächlich als Brauereigelände genutzt worden, bis es dann die Stadt Würzburg gekauft habe. Die historischen Bauwerke seien nahezu unverändert erhalten. Nachdem sie bis 2012 leer standen, habe sie der neue Eigentümer revitalisiert und nutze sie nun als Kultur- und Kreativzentrum. Dabei sei es der Bürgerbräu Projektentwicklungs GmbH & Co. KG. gelungen, die denkmalgeschützte Bausubstanz weitgehend zu erhalten. „Die Mischung aus historischen Bauelementen, Bruchsteinmauerwerk und historischen Dachbalken entwickelt dabei einen einzigartigen Charme“, sagte Dotzel. Die ehemalige Flaschen-Füllerei dominiere als langgestreckter Gebäudeteil die Ansicht auf das Areal. Die historischen Gewölbekeller öffneten sich mit Verglasungen zur Frankfurter Straße hin. Nach Ansicht der Jury sei die Entwicklung des Kultur-und Kreativzentrums eine intelligente und sinnvolle Nutzung des ehemaligen Brauereigeländes, „bei der Stadt, private Investoren und engagierte Nutzer gemeinsam zu einem guten Gelingen beitragen und die alten Mauern mit Leben füllen“.

Landrat Wilhelm Schneider (Landkreis Hassberge) lobte in seinem Grußwort den Schüttbau als Vorzeigeprojekt, an dem sich zeige, wie lohnend Investitionen in historische Bausubstanz seien. So gesehen sei das Tagungs- und Kulturzentrum in Rügheim ein idealer Veranstaltungsort für die Vergabe des Denkmalpreises. Der Landkreis Hassberge sei außergewöhnlich reich gesegnet mit Burgen, Schlössern, Adelssitzen oder Klöstern. Auf insgesamt rund 2.500 Einzeldenkmäler komme der Landkreis – drunter so herausragende Objekte wie die Ritterkapelle Haßfurt, die zu den wichtigsten spätgotischen Bauwerken ganz Unterfrankens zählt.

Reinhold Giebfried, zweiter Bürgermeister der Stadt Hofheim, nannte den „Förderpreis der Unterfränkischen Kulturstiftung des Bezirk Unterfranken zur Erhaltung historischer Bausubstanz“ Motivation und Anreiz zugleich, um sich für den Denkmalschutz zu engagieren. Die Gewinner des Förderpreises „füllen alte Häuser mit Leben“, sagte Giebfried

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