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Motor der unterfränkischen Kulturlandschaft (13. Februar 2020)

Bezirkstag verabschiedet Stiftungs-Haushalt – 8,4 Millionen Euro für die Kultur-Szene 

SchlossAschach

Zu den Schwerpunkten bezirklicher Kulturförderung zählen unter anderem die Erhaltung historischer Bausubstanz und der Denkmalschutz. Das Foto zeigt Schloss Aschach. (Foto: Mauritz)

Würzburg. (mm) Dass solide Anlagestrategien auch in schwierigen Zeiten solide Erträge abwerfen, hat jetzt erneut der Bezirk Unterfranken mit seiner unterfränkischen Kulturstiftung bewiesen. Mit rund 8,4 Millionen Euro wird der Bezirk in diesem Jahr Unterfrankens Kultur und Unterfrankens Kulturschaffende fördern. Insgesamt sieht der Haushalt der Unterfränkischen Kulturstiftung, den der Bezirkstag von Unterfranken am Donnerstag (13. Februar) einstimmig beschlossen hat, Ausgaben in Höhe von fast 9,2 Millionen Euro vor. Damit wird der Bezirk auch in diesem Jahr der mit Abstand größte Kulturförderer in der Region sein.

Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel wies insbesondere auf die außergewöhnlich gute Verzinsung des Stiftungskapitals hin. Damit könne die Kulturförderung fast auf Vorjahresniveau weitergehen, sagte Dotzel. Trotz der seit Jahren anhaltenden Niedrigzinsphase an den internationalen Finanzmärkten habe Bezirks-Kämmerer Andreas Polst eine Rendite von 3,35 Prozent erwirtschaftet. Dafür erntete Polst spontanen Applaus aller Bezirkstagsmitglieder.

„Wir sind damit einsame Spitze und brauchen keinen Vergleich zu scheuen“, lobte CSU-Fraktionschef Stefan Funk den Kämmerer in seiner Haushaltsrede. Funk machte aber auch kein Hehl daraus, dass er den kommenden Jahren mit wenig Optimismus entgegensieht: „Es ist noch kein Silberstreif am Horizont zu sehen!“ Funk begrüßte in diesem Zusammenhang den Beschluss des Kulturausschusses vom vergangenen Sommer, von 2021 bis 2024 schrittweise verschiedene Ausgaben aus dem Kulturetat in den Kameralhaushalt zu verschieben.

Barbara Imhof, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, betonte in ihrer Haushaltsrede die „besondere Verantwortung“ des Bezirks für „einen ausgewogenen und nachhaltigen Beitrag zur Förderung der Kultur in Unterfranken“. Noch sei dies dank der Stiftungserträge möglich: „Einmal mehr erweisen wir uns als verlässlicher Pfeiler für kulturelles Schafen in unserer Region.“ Doch unübersehbar nähmen die Erträge wegen der niedrigen Zinsen jedes Jahr ab.  Sie forderte daher, ab 2021 sukzessive verschiedene Ausgabenbereiche in den Kameralhaushalt zu verlagern.

Auch die Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Tamara Bischof, lobte den Bezirk als einen „großartigen Partner“ der Kulturschaffenden. Nahezu jeder Antrag auf Förderung habe bei der vergangenen Kulturausschusssitzung unterstützt werden können. Dennoch halte sie es für künftige Fördermaßnahmen unausweichlich, „den einen oder anderen Punkt zu überdenken“. Bischof zeigte sich aber auch davon überzeugt, dass der Bezirk mit seiner Kulturarbeit dann am erfolgreichsten sei, wenn er gemeinsam an einem Strang ziehe.

SPD-Fraktionsvorsitzende Marion Schäfer-Blake blickte noch einmal zurück auf die Anfangsjahre der Kulturstiftung. Dank der damaligen Zinslage habe man lange Zeit aus dem Vollen schöpfen können. Nun müsse man sich auf die veränderte Lage an den internationalen Finanzmärkten einstellen. Leitlinie dafür müsse nach ihrer Überzeugung die Frage sein: Was nutzt unserer Kulturlandschaft? Dafür werde ein großer Konsens notwendig sein. Für die Zukunft wünsche sie sich weiterhin eine gute Zusammenarbeit, sagte Schäfer-Blake.

Auch Adelheid Zimmermann (FDP) sah keine Alternative dazu, Ausgaben aus dem Kulturetat in den Kameralhaushalt zurückzuführen. In anderen Bezirken habe dieser Prozess schon länger eingesetzt. Die Bedeutung der bezirklichen Kulturförderung veranschaulichte sie in ihrer Haushaltsrede am Beispiel eines Projekts, das sich mit dem Wirken von Balthasar Neumann auseinandersetzt und an dem 34 Kommunen aus Unter- und Oberfranken beteiligt sind.

Als letzter Sprecher begann Alfred Schmitt (AfD) seine Haushaltsrede mit dem bekannten Valentin-Zitat: Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. Mit Blick auf die Verwaltung appellierte er dafür, bei den Anträgen auf Zuschüsse mehr auf Formfehler oder versäumte Fristen zu achten. „Sie sollten die Antragsteller besser erziehen“, sagte er. Ansonsten schloss er sich seinen Vorredner dem „Respekt und Dank für die Verwaltung“ an.

Zu Beginn der Sitzung hatte Andreas Polst seine Anlagestrategie erläutert. Demnach seien Einnahmen aus den Geldanlagen in Höhe von 6,946 Millionen Euro zu erwarten. 1,063 Millionen würden den allgemeinen Rücklagen entnommen, und 0,511 Millionen stammten aus den so genannten Zweckeinnahmen. Insgesamt stünden als 9,169 Millionen Euro zur Verfügung, rechnete Polst vor. Neben den großen Zweckausgaben der Kulturstiftung für die Museen Schloss Aschach, den Zweckverband Fränkisches Freilandmuseum Fladungen oder die Bodendenkmalpflege mit jeweils deutlich über ein Million Euro, würden mehr als 150 Antragssteller finanziell gefördert. Die Zuschüsse reichten dabei von wenigen hundert Euro für Ausstellungen oder kleine Konzerte bis hin zu 307.600 Euro für die Musikakademie Hammelburg, 230.000 Euro für das Archäologische Spessart-Projekt, 180.000 für das Theater Schloss Maßbach, 140.000 Euro für das Kirchenburgmuseum Mönchsondheim oder 102.500 Euro für den Nordbayerischen Musikbund. Auf die einzelnen Einwohner umgerechnet, investiere der Bezirk 6,83 Euro pro Bezirksbürger. Im bayerischen Durchschnitt seien es 4,82 Euro.

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