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„90 Prozent weniger Treibhausgas-Emissionen bis 2050“ (11. März 2021)

Bau- und Umweltausschuss beschließt ehrgeizige Klimaschutz-Ziele

Photovoltaikanlage auf einem Dach. Im Hintergrund sieht man die Festung Marienberg.

Erneuerbare Energieträger sind ein wichtiger Faktor für die Reduzierung von Treibhausgasen. Das Foto zeigt die Photovoltaikanlage auf dem Zentrum für Seelische Gesundheit mit Blick auf Festung und Käppele. (Foto: Antlitz)

Würzburg. (mm) Ehrgeizige Ziele verfolgt der Bezirk Unterfranken beim Klimaschutz. Bis zum Jahr 2030 sollen die von seinen Liegenschaften ausgehenden Treibhausgas-Emissionen gegenüber dem Jahr 1990 um 65 Prozent sinken. Bis 2050 wird sogar eine Minderung um 90 Prozent angestrebt. Das hat der Bau- und Umweltausschuss am Donnerstag bei einer Gegenstimme beschlossen. Wie Klimaschutz-Manager Viktor Antlitz vorrechnete, werde damit sogar das deutsche Klimaschutzziel um weitere zehn Prozentpunkte übertroffen.

Insgesamt beliefen sich die Treibhausgas-Emissionen des Bezirks derzeit auf knapp 11.900 Tonnen pro Jahr. Das sei zwar erheblich weniger als noch vor dreißig Jahren, als dieser Wert bei 18.700 Tonnen lag, aber dennoch lasse sich das angestrebte Ziel mit der momentanen Entwicklung nicht erreichen. Verantwortlich für die Luftschadstoffe seien sowohl die Verwaltungsgebäude als auch die Bezirks-Einrichtungen – insbesondere die Krankenhäuser und Heime. Als künftige Klimaschutz-Strategie schlug Antlitz einen Mix aus höherer Energieeffizienz, reduziertem Energieverbrauch und verstärkter Nutzung erneuerbarer Energien vor.

Was dies konkret bedeute, veranschaulichte Antlitz an ein paar kleinen Beispielen: „Um das deutsche Klimaschutzziel zu erreichen, dürfte der gesamte Bezirk im Jahr 2050 für seine Wärmegewinnung nur mehr so viel Energie verbrauchen wie heute allein die beiden Bezirkskrankenhäuser in Lohr und Werneck.“ Der Strombedarf werde derzeit zu etwa vier Prozent durch eigene Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtfläche von rund 4.500 Quadratmetern gedeckt. Selbst beim Minimal-Klimaschutzziel der Bundesregierung würde eine Fläche von 15.000 Quadratmetern für die bezirklichen Photovoltaik-Anlagen notwendig. Allerdings hält es Antlitz nicht für sinnvoll, sich an den deutschen Minimalzielen zu orientieren: „Die Verschärfung dieser Ziele wird bereits diskutiert!“ Um langfristige Planungssicherheit zu erreichen, schlug er vor, „bereits heute“ von strengeren Zielvorgaben auszugehen.

Bei den Ausschuss-Mitgliedern stieß der Klimaschutz-Manager damit auf offene Ohren. Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel wies auf die Vorreiter-Rolle hin, die der Bezirk Unterfranken schon in früheren Jahren eingenommen habe. So sei der vom Bezirk errichteten „Klinik am Greinberg“ schon im Dezember 2013 vom bayerischen Gesundheits-Ministerium die Auszeichnung „Green Hospital Bayern“ verliehen worden. Zudem habe Unterfranken im Gegensatz zu den meisten anderen Bezirken seine Krankenhäuser nicht ausgegliedert und sei daher der Bezirk mit der größten Beschäftigtenzahl bayernweit.

Dr. Hülya Düber betonte in Namen der CSU-Fraktion, dass die Ziele zwar ambitioniert seien, „aber es ist richtig, sich hohe Ziele zu stecken!“ Karin Renner verwies darauf, dass man „auch in der Vergangenheit nicht geschlafen“ habe. Aber man könne immer besser werden.

Thomas Zöller (Freie Wähler) schloss sich dieser Auffassung an. Dem Klimaschutz-Ziel könne man folgen, sagte er. Beim Ausbau der Photovoltaik seien neue Wege denkbar, etwa die Anlagen an Wänden zu installieren, und bei der Errichtung neuer Gebäude wäre die Verwendung nachhaltiger Baumaterialien wie zum Beispiel Holz möglich.

Eine deutliche Unterstützung kam auch von Klara May (Bündnis 90/Die Grünen). Momentan würden die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens noch verfehlt. „Wir müssen mehr tun!“, forderte sie. Adelheid Zimmermann (FDP) appellierte für mehr Optimismus. „Vor uns liegen noch dreißig Jahre technologische Entwicklungen“, sagte sie. Diese solle man mitmachen, zum Beispiel bei Fragen der Energie-Speicherung. Auch Bernhard Ruß unterstützte die Aktivitäten. „Die SPD-Fraktion bekennt sich zu den Klimaschutz-Zielen!“, sagte er.

Alfred Schmitt (AfD) bezeichnete die Klimaschutz-Politik hingegen als „politischen Irrweg“ und meinte, „das Treibhaus-Modell ist eine Theorie, die durch nichts belegt ist“.

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Der Klimaschutz-Manager des Bezirks wird zwei Jahre lang aus Mitteln des Bundesumweltministeriums von der PTJ-Jülich gefördert und steht im Zusammenhang mit der Umsetzung der Klimaziele der Bundesregierung. Mit der Nationalen Klimaschutzinitiative initiiert und fördert das Bundesumweltministerium seit 2008 Projekte, die einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgasemissionen leisten. Ihre Programme und Projekte decken ein breites Spektrum an Klimaschutzaktivitäten ab: Von der Entwicklung langfristiger Strategien bis hin zu konkreten Hilfestellungen und investiven Fördermaßnahmen. Die Nationale Klimaschutzinitiative trägt zu einer Verankerung des Klimaschutzes vor Ort bei. Von ihr profitieren Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie Unternehmen, Kommunen oder Bildungseinrichtungen.

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