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Bio-Winzer vor großen Herausforderungen (9. September 2021)

PiWi-Rebsorten sind eine echte Alternative und werden immer beliebter

Bezirkstagspräsident Dotzel posiert mit drei Personen vor einem Weinregal

Stolz präsentiert Lukas Herrmann einen seiner Weine in altehrwürdigen Mauern des Weinguts "Wilhelmsberg" (von links): Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, Weinprinzessin Ina Borawski, Lukas Herrmann, Weinkönigin Carolin Meyer. Foto: Hiller

Kitzingen/Eisenheim. (hil) Wohin geht die Reise des Bio-Weins in Unterfranken? Diese Frage stand bei der Sommer-Tour des Bezirkstagspräsidenten Erwin Dotzel mit der Weinfachberatung am vergangenen Donnerstag (9. September) im Mittelpunkt. Neben dem klassischen Bio-Weinanbau, nimmt in Unterfranken auch die Zahl der sogenannten „PiWi-Rebsorten“ (Pilzwiderstandsfähige Rebsorten) langsam, aber stetig zu.

Dass frische Ideen in historischer Umgebung wunderbar funktionieren können, wurde in den feudalen Mauern des Weinguts „Wilhelmsberg“ in Kitzingen deutlich. Die Stadt war über Jahrhunderte hinweg eine der bedeutendsten Weinhandelsstädte in der Region. Eine der ältesten Weinhandlungen war das ehemalige „Weingut Wilhelm Meuschel“ in der Innenstadt, das seit 2019 von Lukas Herrmann zusammen mit Markus Heid geführt wird. Aus den sogenannten „PiWi-Reben“ lässt sich aber nicht nur ein hervorragender Bio-Wein, sondern natürlich auch ein fantastischer Bio-Sekt produzieren. „Wir wollen keinen klassischen Frankenwein herstellen – sondern guten Wein aus Franken – und Bio-Sekt ist unser Steckenpferd“, erläuterte Lukas Herrmann bei der Vorstellung des Weinguts.

„Für uns war es von Anfang an eine Herzensangelegenheit“, schwärmt Lukas Herrmann, wenn er von seinem Weingut spricht. So sehr der Regen in diesem Jahr wichtig und gut für die Natur war – die Bio-Winzer hat er vor große Probleme gestellt. Durch die vielen Niederschläge wurden die herkömmlich-ökologisch angebauten Reben von „Falschem Mehltau“ (Peronospora) befallen. „In durchschnittlichen Jahren reicht hier die Behandlung mit Kupfer-Präparaten aus“, erklärte Hermann Mengler, Weinfachberater beim Bezirk Unterfranken. „Aber in diesem Jahr hat es so häufig geregnet, dass das Kupfer meist kurz nach der Ausbringung abgewaschen wurde, und der Schutzeffekt sehr gering war“, zeigte sich Mengler besorgt. Bis vor fünf Jahren gab es hier noch eine naturverträgliche Alternative – Phosphorige Säure. In verregneten Jahren kann man mit diesem systemischen Präparat eine hervorragende Wirkung erzielen. Weinbaupräsident Artur Steinmann sagte Gesprächsbereitschaft mit den Verbänden in diese Richtung zu. Was Mengler und Steinmann ebenfalls zunehmend Sorgen bereitet ist sowohl der Rückgang an Auszubildenden und an Betrieben in der Region. Seit 2005 hätten rund 2.200 Betriebe aufgegeben, darunter vor allem kleine Betriebe mit einer Anbaufläche von unter 0,5 Hektar.

Ein architektonisches Kontrastprogramm lieferte die zweite Station der Sommertour auf dem Weingut von Matthias Hirn. „Mit diesem Weingut habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt“, schwärmte der Wein-Pionier bei der Begrüßung über sein Weingut, das er liebevoll „Weinparadies“ nennt. Und das kann man gut nachvollziehen, schließlich bewirtschaftet Hirn eines von weltweit zwei Hundertwasser-Weingütern. Zeitlebens trat Hundertwasser als Gegner der „geraden Linie“ auf. Das wird bereits deutlich, wenn man auf den Parkplatz des Weingutes in Untereisenheim einbiegt. Keine Ecken, alles rund und das Dach ist mit kleinen Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen begrünt, was Dotzel beeindruckte: „Das Gebäude zeigt alles, was Hundertwasser ausmachte“. Aber nicht nur in Sachen Architektur ist Hirn ein Pionier – als einer der ersten Winzer hat er in Franken Pioniersorten wie zum Beispiel Regent oder Johanniter komplett ökologisch angebaut - und das mit Erfolg. Schon etliche seiner Bio-Weine wurden prämiert.

Hier finden Sie eine Fotostrecke zur Sommer-Tour in Kitzingen und Untereisenheim:

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