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„Glaubwürdigkeit ist die entscheidende Münze“ (9. Juni 2022)

Patty Varasano schoss das „Pressefoto des Jahres 2021“ – Insgesamt zehn Preise verliehen

Ausnahmsweise einmal vor der Kamera: die Preisträger des Wettbewerbs Pressefoto Unterfranken und die Sponsoren (vordere Reihe, von links): Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel, Stefan Gregor, Patty Varasano, Ivana Biscan und Anand Anders, (hintere Reihe, von links): Ralph Bauer (BJV), Rainer Ankenbrand (Sparkasse Würzburg), Daniel Karmann, BJV-Vorsitzender Michael Busch, Dr. Esther Knemeyer (Universität Würzburg), Bezirkstagsvizepräsidentin Eva Maria Linsenbreder, Pia Bayer und Claudia Lother. (Foto: Florian Hiller)


Würzburg. (mm) „Gedenkstätte“ heißt das Foto, für das die Würzburger Fotografin Patty Varasano am Donnerstag (9. Juni) mit dem ersten Preis des Wettbewerbs „Pressefoto Unterfranken 2021“ ausgezeichnet wurde. Das im Juni vergangenen Jahres entstandene Bild zeigt ein Meer von Blumen und Kerzen, die auf dem Würzburger Barbarossaplatz niedergelegt worden waren, wo sich wenige Tage zuvor das furchtbare Messerattentat ereignet hatte. Die Perspektive der Aufnahme richtet den Fluchtpunkt zentral auf den Tatort aus und stellt dadurch einen optischen Zusammenhang her zwischen Tat und Trauer, so das Urteil der Jury.

Fast zwanzig Fotografinnen und Fotografen aus ganz Unterfranken hatten sich mit insgesamt rund hundert Bildern an dem vom Bayerischen Journalisten-Verband Mainfranken und dem Bezirk Unterfranken initiierten Wettbewerb beteiligt. Unterstützt wurde die Foto-Schau auch vom Bayernwerk, den Sparkassen Mainfranken (Würzburg), Schweinfurt und Aschaffenburg-Alzenau, der Universität Würzburg, der Stadt Würzburg sowie von Maria Goblirsch.

In seiner Laudatio erinnerte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel an den Krieg in der Ukraine: „Dass wir uns ein Bild von der Lage vor Ort machen können, verdanken wir nicht zuletzt jenen professionellen Fotografinnen und Fotografen, die dort ihr Leben riskieren“, sagte er. Fotos zu machen und über soziale Medien zu verbreiten, sei heute technisch sehr leicht. Umso mehr komme es bei der Berichterstattung auf die Zuverlässigkeit an.

Mit Blick auf die zahllosen manipulierten Bilder, die im weltweiten Netz herumschwirrten, sei Glaubwürdigkeit die alles entscheidende Münze, betonte Dotzel. Das gelte nicht nur für die Berichterstattung aus Krisen- und Kriegsgebieten, das gelte für jede Form des Journalismus – ganz besonders auch für den Lokaljournalismus, unterstrich Dotzel. „Gute Pressefotos erzählen Geschichten. Sie ziehen uns in ihren Bann, sie machen uns neugierig, sie erheitern uns – oder sie schockieren uns wie derzeit die Bilder aus der Ukraine.“

Michael Busch, Erster Vorsitzender des Bayerischen Journalisten-Verbandes, zitierte in seiner Laudatio den österreichischen Arzt und Psychotherapeuten Alfred Adler, wonach Gemeinschaftsgefühl sich dadurch ausdrücke, „mit den Augen eines anderen zu sehen, mit den Ohren eines anderen zu hören, mit dem Herzen eines anderen zu fühlen.“ Gute Fotos hätten die Eigenschaft, Emotionen zu wecken. Damit werde es dem Betrachter oder der Betrachterin möglich, die Welt mit dem Herzen eines anderen zu erleben, sagte der BJV-Vorsitzende. Wer aber zu dieser Empathie nicht imstande sei, werde auch das Wesen einer offenen Gesellschaft und einer liberalen Demokratie nicht begreifen.

Pressefotografinnen und Pressefotografen seien der Wahrheit verpflichtet, so Michael Busch weiter. Zugleich zeigten deren Bilder, wie etwas war und wie etwas in Erinnerung bleiben werde. In diesem Zusammenhang erinnerte er an das legendäre Foto des AP-Reporters Nick Ut, das ein nacktes, vor den Napalmbomben flüchtendes Mädchen zeigt. Das Bild, fast auf den Tag genau vor fünfzig Jahren aufgenommen, gelte bis heute als ein Symbolbild für den Vietnamkrieg. Darin zeige sich auch die Standfestigkeit guter Pressefotos.

Die Preisverleihung, die üblicherweise zum Jahresende stattfindet, hatte wegen der Corona-Pandemie auf dieses Jahr verschoben werden müssen. Bereits zum zweiten Mal wurde 2021 ein Preis in der Kategorie „Orts-Geschichten“ vergeben, den Maria Goblirsch (München) in Erinnerung an ihren 2019 verstorbenen Bruder Rainer Reichert ausgelobt hatte. Reichert hatte vor dreißig Jahren den Wettbewerb „Pressefoto Unterfranken“ ins Leben gerufen.

Neben dem „Foto des Jahres“ zeichnete die Jury außerdem die besten Bilder in neun weiteren Kategorien aus: „Orts-Geschichten“ („Müder Schneemann“ von Stefan Gregor), „Beste Serie“ („Büttner – traditionsreiches Handwerk“ von Daniel Karmann), „Nachwuchspreis“ („Eisenbahnmuseum“ von Ivana Biscan), „Unterfranken – Land und Leute“ („Es geht wieder los“ von Stefan Gregor), „Umwelt & Energie“ („Leuchtkräfte“ von Daniel Karmann), „Sport“ („Alarmstufe Rot“ von Anand Anders), „Kultur“ („Aufschauen“ von Stefan Gregor), „Universität & Wissenschaft“ (Spurensuche in der Flur“ von Pia Bayer)  sowie den „Preis der Stadt Würzburg“ („Betroffen“ von Stefan Gregor).

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