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„Denkmalschutz geht uns alle an“ (21. September 2022)

Bezirkstagspräsident Dotzel verleiht Förderpreise zur Erhaltung historischer Bausubstanz

Gratulanten und Preisträger: die diesjährigen Gewinner des „Förderpreis der Kulturstiftung des Bezirk Unterfranken zur Erhaltung historischer Bausubstanz“ präsentieren gemeinsam mit Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel ihre Auszeichnungen. (Foto: Mauritz)

Birnfeld. (mm) Den mit insgesamt 150.000 Euro dotierten „Förderpreis der Kulturstiftung des Bezirk Unterfranken zur Erhaltung historischer Bausubstanz“ hat Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel am Mittwoch (21. September) im Sportheim Birnfeld (Landkreis Schweinfurt) an die Eigentümer der in diesem Jahr ausgezeichneten sechs Gebäude überreicht.

Den Preis teilen sich Prof. Dr. Natalie Eßig und Ralph Dietlein für die Sanierung einer Hofanlage in Untermerzbach (Landkreis Haßberge), Yusuf Özdem für die Renovierung des Gasthauses zum Ochsen in Mönchberg (Landkreis Miltenberg), Sabrina und Bernd Nitsche für ihre Investition in ein Bauernhaus in Oberstreu (Landkreis Rhön-Grabfeld), das Ehepaar Tanja Sobisch und Irmgard Wech für die Instandsetzung des Pfarrhofs in Birnfeld (Landkreis Schweinfurt), die Stadt Aschaffenburg für die Gebäudehüllensanierung des Rathauses in der Dalbergstraße (Stadt Aschaffenburg) sowie Dr. Michaela Metz und Dr. Peter Range für den Umbau der Kunstscheune Würzburg im Ortsteil Lengfeld (Stadt Würzburg).

Dotzel, der auch stellvertretendes Mitglied im Landesdenkmalrat ist, sagte in seiner Laudatio: „Die Eigentümer dieser historischen Bauwerke schützen und pflegen mit ihrem Engagement jeweils ein wertvolles Stück Heimat.“ Denkmalschutz geht alle an, denn alte Häuser vermittelten das Gefühl von Geborgenheit und Heimat. Der Bezirk Unterfranken habe daher vor genau zwanzig Jahren den Förderpreis zur Erhaltung historischer Bausubstanz ins Leben gerufen – einen der höchstdotierten Denkmalpreise Deutschlands. Wie Dotzel weiter sagte, seien alte Häuser immer etwas Besonderes – „und oft auch etwas ganz Einmaliges“. Umso erstaunlicher sei es nach seiner Ansicht, „dass noch immer so viele Neubaugebiete ausgewiesen werden, während in den gewachsenen Ortskernen alte Häuser leer stehen.“ Dabei wäre es doch viel vernünftiger, ein ungenutztes altes Gebäude zu renovieren, statt auf der grünen Wiese ein weiteres Einheits-Eigenheim zu errichten, so Dotzel weiter.

Beispielhafte Denkmal-Sanierung

Die Hofanlage in Untermerzbach im Landkreis Haßberge aus dem 19. Jahrhundert sei „von hoher historischer und städtebaulicher Bedeutung“, weil sie „exemplarisch für die letzte Blüte der jahrhundertealten Bautradition im ländlichen Raum“ stehe, betonte der Bezirkstagspräsident in seiner Laudatio. Der Eigentümerin des Anwesens, Prof. Dr. Natalie Eßig, und dem Bauherrn Ralph Dietlein sei eine beispielhafte Denkmal-Sanierung gelungen. Nicht zuletzt überzeuge die Maßnahme durch ihre schlüssigen Nutzungskonzepte für den sehr umfangreichen historischen Gebäudebestand. Zugleich sei die Hofanlage fast in ihrem Urzustand erhaltenen geblieben.

Durchschlagender Erfolg

Auch beim nächsten Projekt, dem Gasthaus zum Ochsen, handle es sich um ein Gebäude mit einer bemerkenswerten Geschichte, betonte Dotzel. Seit bald 300 Jahren hätten die verschiedenen Inhaber in der Mönchberger Traditions-Gaststätte (Landkreis Miltenberg) ihre Gäste verwöhnt. Im Saal des Ochsen sei getanzt, geheiratet und getauft worden, sagte Dotzel. „Nachdem das Gasthaus fast 45 Jahre geschlossen war, öffnete der jetzige Besitzer Yusuf Özdem im vergangenen Oktober den Ochsen aufs Neue – und hatte trotz Corona von Anfang an durchschlagenden Erfolg.“ Allerdings steckten auch rund zehn Jahre harter Arbeit in dem renovierten historischen Gebäude.

Eine Zier für das Ortsbild

Beim nächsten, preisgekrönten Gebäude handele es sich um ein Bauernhaus in Oberstreu im Landkreis Rhön-Grabfeld. Das Gebäude stehe giebelständig zur Straße und präge dadurch das Ortsbild. „Bis sich Sabrina und Bernd Nitsche des Anwesens annahmen, war dessen historische Aussagekraft allerdings eher gering“, wie der Bezirkstagspräsident betonte. Heute sei die Fassade des Anwesens mit einem gut erhaltenen Zierfachwerk aus dem späten 17. Jahrhundert wieder eine Zier für das Ortsbild. Ziel der Eigentümer war von Anfang an, das Gebäude nach Möglichkeit so herzurichten, wie es früher einmal ausgesehen hatte.

Gebäude mit bewegter Geschichte

Auch der Pfarrhof im Stadtlauringer Ortsteil Birnfeld habe eine bewegte Geschichte. Errichtet habe das Gebäude der auch sonst für seine rege Bautätigkeit bekannte Würzburger Fürstbischof Johann Gottfried von Guttenberg. Das Gebäude, das heute der Künstlerin Tanja Sobisch und ihrer Frau Irmgard Wech gehört, sei „ein wunderbares Beispiel für den Baustil des ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhunderts im damaligen Hochstift Würzburg“, sagte Dotzel. Wegen seiner zentralen Lage im Ortskern von Birnfeld sei der Pfarrhof auch städtebaulich von großer Bedeutung. In unmittelbarer Nachbarschaft des Anwesens befinden sich das Schloss und das Zehnthaus. Die beiden Eigentümerinnen hätten das Sanierungskonzept „sehr behutsam und substanzschonend“ umgesetzt, lobte der Bezirkstagspräsident.

Höchster Aufwand für historisches Vorbild

Ebenfalls etwas ganz Besonderes sei das Aschaffenburger Rathaus in der Dalbergstraße. Wie Dotzel erläuterte, sei das nach Entwürfen des Göttinger Architekten Diez Brandi errichtete Gebäude 1991 als bedeutender Verwaltungsbau der frühen Nachkriegszeit unter Denkmalschutz gestellt worden. Wegen seiner Lage mitten in der Altstadt besitze das Rathaus eine herausragende und stadtbildprägende Lage. Die 2016 festgestellten Schäden machten eine Sanierung zwingend erforderlich. Daher wurde die gesamte Fassade mit höchstem Aufwand nach historischem Vorbild erneuert. Mit dieser Gebäudehüllensanierung sei es gelungen, den Rathausbau der frühen Nachkriegszeit denkmalgerecht an moderne, zeitgemäße Nutzungsanforderungen anzupassen, lobte Dotzel in seiner Laudatio.

Eine Vision verwirklicht

Eine nicht ganz alltägliche Nutzung bescheinigte Dotzel auch dem letzten Preisträger-Objekt. Die ehemalige Zehntscheune des Ritterstifts St. Burkard im Zentrum des Würzburger Ortsteils Lengfeld diente bis zur Säkularisation als Lager für die Ernteabgaben der Lengfelder Bauern. Später wechselte der Bau mehrmals die Besitzer. Seit neun Jahren gehört das Gebäude Dr. Michaela Metz und Dr. Peter Range. Ihnen ist es gelungen, ihre Vision von einem Kunst- und Kulturraum in dem historischen Gebäude unterhalb der Alten St. Laurentius-Kirche umzusetzen. Wie der Bezirkstagspräsident in seiner Laudatio unterstrich, sei der aufwendige Umbau mit Eigenmitteln finanziert und in Eigenregie verwirklicht worden.

Ermutigung zur Belebung der Innenorte

Zuvor hatte Landrat Florian Töpper (Landkreis Schweinfurt) auf den engen Schulterschluss innerhalb der „kommunalen Familie“ hingewiesen. Insbesondere dankte der Landkreis-Chef dem Bezirk für die zahlreichen Fördermaßnahmen im ländlichen Bereich. Im Förderpreis des Bezirks zur Erhaltung historischer Bausubstanz sah er eine Ermutigung zur Belebung der Innenorte.

Zweiter Bürgermeister Winfried Reß (Markt Stadtlauringen) verwies auf den demographischen Wandel, der die Dörfer zu einer Imageverbesserung zwinge. Einen wichtigen Mosaikstein für dieses Anliegen sah er in den gewachsenen Bausubstanzen der Innenorte. In Stadtlauringen habe man daher schon immer Wert auf den Denkmalschutz gelegt.

Im Namen aller Preisträgerinnen und Preisträger bedankten sich abschließend Tanja Sobisch und Irmgard Wech gemeinsam mit ihrer Architektin Evi Pechthold. Der Birnfelder Pfarrhof habe Glück gehabt, dass er zu so engagierten Besitzerinnen gekommen sei, lobte die Architektin. Tanja Sobisch berichtete von zahlreichen Fahrten über Land, bei denen ihr immer wieder durch den Kopf gegangen sei, warum so viele alte Häuser leer stünden. Irmgard Wech ergänzte in diesem Zusammenhang: „Der alte Pfarrhof hat uns gefunden!“

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Ansprechpartner:
Dr. Markus Mauritz
Pressesprecher
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